Kunden dosieren die gewünschte Menge der Lebensmittel im unverpackt Laden Erlangen selbst, so wird garantiert nichts weggeworfen.
© Polina Tankilevitch
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24.03.2022, 14:43 Uhr

"Zero Waste": Wie ein Ladenkonzept Erlangern dabei hilft, Müll zu reduzieren

Wir alle kennen sie - die guten Vorsätze. Mehr Sport machen, weniger Zeit am Handy verbringen und bloß kein Plastik mehr kaufen. Aber wie und vor allem wo soll das eigentlich gehen? Und wie kannst Du plastikfrei einkaufen, ohne überdurchschnittlich viel Geld für Lebensmittel auszugeben? Wir geben dir einen Einblick in die Welt des "Zero Hero" Unverpacktladens Erlangen. Nina Kellert, Storemanagerin von "Zero Hero" hat uns in einem Interview alles erzählt, was Du über das Konzept der Unverpacktläden wissen solltest.

Was versteckt sich hinter dem Konzept "zero waste"? Und hat die Idee Zukunftsperspektive? All das und mehr hat uns Nina Kallert erzählt.

Das Konzept "zero waste" ist für viele ein Neubegriff. "Veränderung kann abschrecken", meint Nina. Daher gilt es, mehr Aufklärung über diesen Begriff zu betreiben. Die Philosophie hinter dem Konzept dient der Nachhaltigkeit. Die Intention hinter dem Denkansatz der "Zero waste"-Konzepte ist, ein Leben zu ermöglichen, in dem so wenig Abfall und Rohstoffe wie möglich vergeudet werden. So zum Beispiel Bambuszahnbürsten, Wasch- und Putzmittel, abfüllbare Lebensmittel zum täglichen Gebrauch so wie Seifen- und Kosmetikprodukte. Dies soll vor allem durch Abfallvermeidung, Reparaturen, Wiederverwertung , Kompostierung und Recycling stattfinden. "Weniger ist mehr" steht hier auf der Agenda. Inzwischen gibt es weltweit sogar "Zero-waste-Städte" welche bestimmte Maßnahmen einleiten, um sich zu müllfreien Großstädten zu entwickeln (beispielsweise San Francisco).

Nina arbeitet seit 2 Jahren als Storemanagerin im Erlanger Unverpacktladen "Zero Hero". Zero Hero bietet eine Alternative zum konventionellen Einkauf im konventionellen Supermarkt. Trockenwaren kommen aus Spendern, werden in mitgebrachten Behältern abgefüllt und Flüssigkeiten werden gezapft. "Zero Hero" gliedert sich in drei fränkische Filialen. Eine davon in Erlangen, Nürnberg und Forchheim. Ninas Tätigkeit als Store Managerin ist vor allem die regelmäßige Kontrolle der Produkte auf Label wie "Bio" oder "Fair-trade". Jedes Produkt muss kontrolliert werden. Wo kommt es her? Welche Warenketten stecken dahinter? Ist es Regional?

Laut Nina sind die größte Freude ihres Berufes die umweltbewussten Kunden. "Wenn man bedenkt, wie es momentan mit unserem Klima aussieht, ist es eine unglaubliche Freude zu sehen, wie neue Kunden hier reinkommen und man sie mit dem Wunsch nach Veränderung und Nachhaltigkeit ansteckt. Da merke ich selbst auch eine Veränderung in meinen Gewohnheiten... Alles ist machbar, egal ob wir von Regionalität oder Plastikreduzierung sprechen". Viele ihrer Kunden kommen bereits mit einem fundiertem Wissensschatz über "Zero waste"-Läden in den Laden und bringen oft auch eigeninitiativ Brotverpackungen usw. mit. Die Produkte der Filiale stammen vom unverpackt-Verband. Viele Firmen unterstützen Unverpackt-Läden, in dem sie Produkte direkt an die Filialen senden.

Wie Du bewusst weiter Plastik vermeidest

Doch wie kann man auch zukünftig noch auf die Problematik der Plastikreduzierung aufmerksam machen? "Massenkonsum-Mentalität ist egoistisch. Mir blutet das Herz, wenn jemand Produkte kauft und nicht weiß, was dahinter steckt. Ich habe selbst zwei Kinder und es mir zur Aufgabe gemacht, sie zu einem bewussterem Denkansatz zu verleiten. Erziehung spielt meiner Meinung nach also eine wichtige Rolle." Es ist, laut Nina, zudem wünschenswert, wenn wir uns von einer absoluten Konsumgesellschaft hin zu bewussten Bedarfseinkäufen orientieren würden. Wir sind es gewohnt, schnell möglichst viel und langfristig einzukaufen. Doch nur noch das zu kaufen, was man wirklich braucht, erfordert Initiative, Planung und Bewusstsein.

Und wie sieht es hier mit den Preisen aus? Sind die realistisch? "Die Preismaßstäbe sind in der Tat sehr realistisch. Ein Seeberger Päckchen Pinienkerne kosten im Supermarkt beispielsweise genau so viel wie hier. Außerdem haben wir jeden Dienstag Studententag (10%). Wenn die Preise steigen, liegt das an der mangelnden Kundschaft, vor allem durch den Kampf während Corona." Es ist wünschenswert, das sich mehr Menschen für das Konzept öffnen. Wenn die Kettenreaktionen stimmen und die Nachfrage der Kundschaft vorhanden ist, können auch die Preise angepasst werden.

Aktuell planen die Mitarbeiter von Zero Hero einen Online-Shop. Dieser soll auf Produkte fokussiert sein, welche leicht zu verpacken sind und nicht schnell zu faulen anfangen. So vor allem Hygieneprodukte wie Seifen, Shampoos, usw... Dabei soll vor allem auch auf Pfandgläser zurückgegriffen werden.


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