Disziplin ist wichtiger als teure Geräte: Diese Frau benutzt ein Fitnessband für ihre Übungen im Wohnzimmer.
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fein leben
14.01.2022, 19:01 Uhr

Workout daheim: Sieben Fitnessgeräte, die gar nicht teuer sind

Erst waren die Laptops gefragt, nun die Hanteln. Viele Bürohengste haben sich zuhause nicht nur einen Arbeitsplatz eingerichtet, sondern auch ein kleines Fitnessstudio. Doch was gehört zur perfekten Ausstattung? Der Sportwissenschaftler Axel Dörrfuß gibt Tipps, wie man das Thema angehen sollte.

Herr Dörrfuß, frei nach Loriot: Ein Fitnessstudio zuhause ist möglich, aber auch sinnvoll?

Dazu müssen wir herausfinden, ob wir in Fitnessgeräte investieren sollten und in welche. Der Klassiker ist, dass man an Weihnachten einen teuren Ergometer geschenkt bekommen hat, jedoch gar keine Motivation besteht, Fahrrad zu fahren.


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Welche Geräte empfehlen Sie für ein Basis-Home-Fitnessstudio?

Gymnastikball, Matte, ein Satz Fitnessbänder, Pilatesball, Springseil, Faszienrolle und – wenn genug Platz vorhanden – Sprossenwand.

Keine Hantel?

Die junge Zielgruppe steht eher auf Hanteln. Aber mit Fitnessbändern erreichen wir einen stärkeren Effekt. Denn bei zunehmender Muskelverkürzung haben wir einen höheren Widerstand und damit einen größeren Trainingseffekt.

Axel Dörrfuß (50), geboren in Nürnberg, ist Diplom-Sportwissenschaftler und Trainer für Neuro-Athletik. Der Vater zweier Kinder betreibt in seinem Wohnort Zirndorf mit seiner Lebensgefährtin, Ex-Handball-Profi Kathrin Blacha, das "Zentrum für neurozentriertes Training" ad-trainings. Zuvor war er 16 Jahre lang Athletiktrainer bei den Profifußballklubs SpVgg Greuther Fürth, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen.
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Was liegt gerade im Trend?

Sicher sind das sogenannte Smart-Trainer, also Ergometer, die an Online-Trainingsplattformen angeschlossen sind, und Trainings-Apps. Letztendlich ist es aber keine Frage des Trends, sondern des Typs, des Geldbeutels und des technischen Aufwands. Es gibt eine Statistik eines amerikanischen Homeshopping-Senders, die aufweist, dass seine Kunden 93 Prozent der verkauften Fitness-Produkte zuhause nicht einmal ausgepackt haben.

Warum ist das wohl so?

Menschen, die Fitnessgeräte bestellen und sie dann nicht benutzen, sind das Thema auf einer falschen Ebene angegangen. Die Frage ist nicht: Welche Geräte brauchen wir? Die Frage ist: Was wollen wir mit dem Training erreichen?

Okay, das ist bei vielen Männern einfach: Wir möchten den Bierbauch loswerden.

Dazu müssen wir unser bisheriges Verhalten ändern. Aristoteles sagt: Wir sind das Ergebnis dessen, was wir regelmäßig tun. Allein der Vorsatz, schlanker zu werden, reicht nicht aus.

Wie wäre es mit dem Vorsatz: "Ich möchte fitter werden"?

Der Fitnessbegriff ist riesig: Mache ich Kniebeugen oder gehe ich Joggen? Dazu kursieren zahlreiche Irrtümer: Wenn ich abnehmen will, muss ich mich lange bewegen. Wenn ich Rückenschmerzen habe, muss ich meine Rückenmuskulatur trainieren. Doch so einfach ist das nicht. Manchmal ist Muskelentspannung wichtiger als -anspannung, und kurz und intensiv erfolgreicher als lang und langsam.


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Welches Ziel wäre also weniger schwammig als "fitter werden"?

Die Motivation, 20 Minuten neben dem fahrradfahrenden Kind zu joggen oder mit den Kumpels zu kicken, ohne dass ich nach einer Viertelstunde platt bin. Es geht also um nicht weniger als um die Frage: Wer bin ich, wer möchte ich sein und wie komme ich da hin?

In der Zeitschrift Men's Health gibt es immer Anleitungen zum "Sixpack in zehn Wochen". Da möchten viele hinkommen.

Solche Magazine wollen verkauft werden und sind nicht immer gute Informationsquellen. Reiner Wein lässt sich eben schlecht verkaufen.

Und was wäre reiner Wein?

Dass eine Verhaltensänderung mühsam ist. Was uns helfen kann, ist ein Blick in unsere Jugend und Bilder im Kopf wie die Poster unserer Sport-Idole im Kinderzimmer. Was haben wir damals gerne getan, wem haben wir nachgeeifert? Die emotionale Verbundenheit kann die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung erhöhen. Wenn ich Tennis gespielt habe, schaue ich mir an: Wie trainiert ein Tennisspieler? Mit dessen Workout kann ich mich identifizieren.

Gut, Sportart gefunden. Welche Geräte brauche ich dafür?

Ob ein Fitness-Gerät das richtige ist, hängt in erster Linie davon ab, ob Sie es benutzen. Um Fehlkäufe zu vermeiden, lohnt sich der Austausch mit einem Experten oder Trainer. Außerdem ist zu klären: Wie viel Zeit, Geld und Platz zuhause haben Sie zur Verfügung?

Welches Gerät brauche ich, um den Bauch wegzukriegen und Muskeln aufzubauen?

Bauchverkleinern bedeutet Fettreduktion. Das kann man sowohl mit Hanteln als auch mit einem Radergometer schaffen. Neben dem Energieverbrauch müssen wir aber auch über Energiezufuhr sprechen, Timing und Menge. Muskelaufbau hingegen erfolgt mittels Widerstandstraining, etwa mit einem Hantelsatz. Für die Mehrheit reicht hingegen ein Fitnessband. Aber auch ohne Geräte und nur mit dem eigenen Körper kann man ein super Workout machen – Stichwort: Calisthenics. Das ist eine Typ-Frage.

Welche Typen gibt es?

Es gibt Leute, die sollten eher ins Outfit investieren. Für die ist es inspirierender, coole Klamotten zu tragen. Da fühlen sie sich fitter und beginnen gerne mit dem Training. Es gibt Leute, die sind Alte Schule und brauchen Eisenhanteln oder den Expander. Die New School benutzt Fitness-Tracker.


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Nachdem das alles geklärt ist: Wie gehen wir es nun an?
Wir müssen die Schritte so klein wählen, dass ein Scheitern unmöglich ist. Das heißt, wir beginnen mit täglich einer Minute. Ein Liegestütz am Tag ist 100 Prozent mehr als 2021. Dann langsam steigern.

Martin Schano