Lauschig und schattig: Der Lederer-Biergarten war ein beliebter Treffpunkt im Stadtteil Gostenhof. Die Bäume sollen stehen bleiben und eine Grünfläche entstehen. 
© Marie Zahout, NN
feine Stadt

Wohnungen für den Nürnberger Westen: Das sind die Pläne für das Lederer-Areal

Im April 2019 gingen in der Lederer-Kulturbrauerei mit ihrem Biergarten im Nürnberger Stadtteil Gostenhof die letzten Gläser Bier über den Tresen. Seitdem liegt das Gelände im Dornröschenschlaf. Jetzt gibt es Pläne, wie das Areal genutzt werden soll und es läuft ein Architektenwettbewerb.

Unter alten Bäumen ein kühles Bier trinken, in den urigen Gasträumen feiern: Für viele Gäste war die Schließung der Lederer-Kulturbrauerei im April 2019 ein herber Verlust. Bereits 2017 beschloss der Eigentümer des Grundstücks, die Familie Inselkammer aus München, den Pachtvertrag mit dem Wirtsehepaar Krestel 2019 auslaufen zu lassen und das Areal zwischen Bärenschanz-, Siel- und Reutersbrunnenstraße stattdessen zu bebauen.

2020 wurde das Inventar der Lederer-Kulturbrauerei versteigert.   
Stefan Hippel, NN

Anwohner und Kommunalpolitiker waren alarmiert: Sie fürchteten vor allem um den Verlust des alten Baumbestands und damit einer grünen Oase mitten im dicht bebauten Stadtteil. „Für das Stadtklima sind die Bäume ganz wichtig“, sagt Heinz Claude Aemmer vom Bürgerverein Gostenhof.

Bäume bleiben erhalten

Mittlerweile ist klar: Der 6.000 Quadratmeter große Biergarten mit seinem alten Baumbestand bleibt als Grün- und Freifläche erhalten. Aber auch mit Blick auf die Infrastruktur und Entwicklung des Stadtteils ist es wichtig, was auf dem Gelände entstehen soll: Bereits im Vorfeld waren Stadtplanungsamt und Bürgerverein mit den Eigentümern im Austausch. Jetzt hat die Inselkammer-Gruppe auf Wunsch der Stadt auch noch einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb ausgerufen. Bis Ende Februar haben Architekturbüros Zeit, ihre Pläne vorzulegen.

Heinz-Claude Aemmer hat schon einen ersten Blick auf einige Wettbewerbsbeiträge werfen können und verrät so viel: „Es sind einige sehr interessante Entwürfe dabei“. Details beinhalten die Exposés freilich noch nicht. Sie werden laut Ulrich Gegenstand eines Baugenehmigungsverfahrens sein, das erst nach dem Wettbewerb beginnt. Allerdings gebe es Absprachen – zum Beispiel in Sachen Klimaschutz: „Selbstverständlich gesetzt sind Vorgaben zur Dachbegrünung, zum Thema ,Schwammstadt‘, also zur Regenwasserversickerung und zu weiteren Faktoren der Energienutzung. Vor allem aber ist der Biergarten als zukünftig öffentliche Grünfläche gesichert, das ist der wesentliche Baustein in diesem Verfahren“, sagt der Baureferent.

Wohnungen, eine Kita und eine Mensa

Ein Schwerpunkt liegt auf Wohnbebauung. „Wir hätten gerne auch Sozialwohnungen, weil uns die Durchmischung im Stadtteil am Herzen liegt“, sagt Aemmer. Ob diese eingeplant werden, weiß er bislang noch nicht. Klar ist aber, dass eine Kindertagesstätte und eine Schulkantine für das benachbarte Dürer-Gymnasium und das Sonderpädagogische Förderzentrum auf dem Areal Platz finden sollen. Auch ein Discounter gehört zum Gesamtpaket: Er soll künftig in einem größeren Gebäudekomplex Platz finden. Und auch die Sielstraße soll schöner werden: Hier ist mehr Grün vorgesehen.

Die Eigentümer, die den Wettbewerb ausgerufen haben, waren in den Weihnachtsferien nicht erreichbar. Das Baureferat teilt aber mit, dass demnächst eine Jury die Beiträge bewertet. Weiterhin sollen die Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Mit einem Bauantrag rechnet Baureferent Ulrich 2022, Anfang 2023.

Clara Grau