Kleinere Bioläden in Nürnberg trifft die aktuelle Krise hart.
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15.11.2022, 16:31 Uhr

"Wir sehen unser Verderben kommen": Kleine Nürnberger Lebensmittel- und Bioläden in der Krise

Einige Lebensmittel- und Bioläden in Nürnberg kämpfen derzeit um ihr Überleben. Nach zwei starken Jahren während der Pandemie sorgt nun die aktuelle Krisensituation für leere Geschäfte - teils ist deren Existenz bedroht.

Die Situation für Maja Taube und ihrem kleinen Bioladen "bio und nah" in der Nürnberger Rosenaustraße ist mehr als angespannt: "Wir entscheiden alle zwei Monate, ob wir weitermachen oder nicht - es kann sein, dass wir irgendwann merken, wir sind insolvent", sagt Taube, die den Laden gemeinsam mit ihrem Partner leitet. Jeden Monat müssten sie schauen, ob die Löhne gezahlt werden könnten.

Billigere Supermärkte im Trend

So wie Taube ergehe es zurzeit vielen kleineren Lebensmittel- und Bioläden in Nürnberg. "Wir sehen gerade ein bisschen unser Verderben kommen, weil wir echt geringe Gewinnspannen haben", erzählt die 50-Jährige. Die Leute gingen derzeit eher in den billigeren Supermärkten einkaufen. Der Lebensmitteleinzelhandel habe grundsätzlich eine sehr kleine Gewinnspanne. "Wir haben eine niedrige Marge zwischen Einkauf und Verkauf", so Taube.

"Die Leute lieben den Laden über alles"

Nun kämen noch die steigenden Energiepreise dazu und, dass die Menschen "vorsichtiger" einkaufen würden. "Während der Pandemie sind die Leute mehr in die kleinen Läden gegangen, weil es schöner war und man sich mal wieder unterhalten konnte und jetzt kommt die Phase, in der alle in die Geldbörse blicken", sagt Taube. Außerdem sei der Mindestlohn gestiegen, was eine Lohnsteigerung von 20 Prozent bedeute. Es sei sowieso schon absurd, dass den Mitarbeitenden nur der Mindestlohn bezahlt werden könne - "das wollen wir ja auch nicht, aber wir können nicht mehr bezahlen".

Auch der Bio-Markt "Vollkern36" in Nürnberg-Gostenhof merkt die Zurückhaltung der Kund:innen.
Andrea Munkert

Und das, obwohl Taubes Geschäft noch gut frequentiert und beliebt sei: "Die Leute lieben ihren Laden über alles und wollen auch nicht, dass er kaputt geht." Trotzdem merke sie, dass die Menschen eher in den Supermarkt gingen. "Das Bewusstsein der Menschen müsste sich verändern, was es bedeutet, Lebensmittel in einem kleinen Laden einzukaufen": Dass man für die etwas höheren Preise eben auch eine andere Qualität bekomme, einen Netzwerkstandort im Viertel habe, das Sortiment selbst bestimmen und sich mit netten Verkäuferinnen und Verkäufern unterhalten könne.

Kein Einzelfall

Auch der Bioladen "Vollkern 36" in Nürnberg-Gostenhof befindet sich in einer schwierigen Lage. "Wir haben ganz schön zu knapsen - sehr sogar", sagt die Geschäftsführerin Anja Herrmann. Seit zwei bis drei Monaten bemerke sie, dass die Leute versuchen, zu sparen. "Die Preise sind stark angestiegen und dann kommt noch die Verunsicherung durch die Energiepreise hinzu." Zwischenzeitlich sah Herrmann die Existenz ihres Ladens bedroht, seit einer Woche gehe es etwas aufwärts. "Vielleicht sind die Leute durch die beschlossenen Entlastungspakete ein wenig zuversichtlicher."

Eine Mitarbeiterin des Nürnberger Bioladens "Lotus" mit zwei Standorten am Unschlittplatz und der Hessestraße berichtet ebenfalls von einer angespannten Situation. Auch beim Biomarkt "Bio in Zabo" am Aussiger Platz könne ein rückläufiger Umsatz beobachtet werden, aber dramatisch ist die Lage laut Inhaberin Manuela Seidel nicht: "Wir hatten zwei Wahnsinns-Jahre durch Corona - das kann man niemals halten." Nun müsse man schauen, wie sich das Geschäft künftig entwickelt.

Die Hoffnung der kleinen Bio-Läden in Nürnberg liegt aktuell in der hoffentlichen Entspannung durch Entlastungspakete für die Bürger in der Energiekrise.
Andrea Munkert

Zukunft ist ungewiss

"Wir schauen total ratlos in Richtung Zukunft - weil alles damit steht und fällt, wie sich unsere Kunden entscheiden einzukaufen", sagt Maja Taube von "bio und nah". Das Schicksal der Läden hänge an den kleinen Entscheidungen in den Köpfen der Menschen. Eine Umsatzsteigerung von 200 Euro am Tag "macht bei uns schon einen riesen Unterschied". Im schlimmsten Fall müsse Taube ihren Bioladen schließen und zehn Angestellte würden ihren Job verlieren. "Wir haben auch einen hohen Anteil von Inklusionsmitarbeitenden, die auf dem normalen Arbeitsmarkt sehr, sehr schwer einen Platz finden würden." Im Viertel Rosenau gäbe es nach einer Schließung keine Möglichkeit mehr, fußläufig einzukaufen.


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