Franco Marolda (li.) und Marco Schnös in der Tafel-Küche beim Abfüllen von Minestrone. 
© Michael Matejka, NNZ
feine Stadt

Warmes Essen: Bei Nürnberger Tafel wird jetzt auch gekocht

Vor Weihnachten gab es sogar Karpfenfilets und gefüllten Kürbis: Auch Kundinnen und Kunden der Nürnberger Tafel durften sich - dank verschiedener Firmenspenden - über besondere Gerichte zu den Festtagen freuen. Auch sonst gehen aktuell ausreichend Warenspenden ein, versichern die Verantwortlichen.

Das heimliche Herz der Nürnberger Tafel schlägt schon lange im Nürnberger Westen: Lager und Umschlagplatz für gespendete Lebensmittel und andere Artikel des täglichen Bedarfs war über Jahre hinweg eine Gewerbeimmobilie an der Sigmundstraße. So ist es seit einem Umzug im vergangenen Sommer immer noch. Denn auch das neue Domizil liegt, einen Katzensprung entfernt, an der Sigmundstraße.

Das ehemalige Firmengebäude eines Küchenausstatters eröffnete der Tafel, die seit Sommer 2017 unter der Regie und in Verantwortung des Roten Kreuzes betrieben wird, neue Perspektiven: Anders als zuvor sind die Lagerräume nun ohne Aufzug bequem über eine Rampe zugänglich. Und in den einstigen Ausstellungsräumen konnte eine neue, geräumige Ausgabestelle eingerichtet werden: Ein großer Tresen dient als Empfang, wo sich die Kunden registrieren lassen und ihren Obulus entrichten können. In weitem Halbkreis sind dann die einzelnen Ausgabestationen, teilweise mit gekühlten Auslagen, aufgestellt - von Milchprodukten geht es über Wurst und Backwaren weiter zu Gemüse und fest verpackten Produkten.

Wegen Corona noch tabu

Doch damit nicht genug: Hinter einer Trennwand erstreckt sich ein neuer Gastronombiebereich, unter anderem mit gebrauchtem Mobiliar von der Bäckerei "Der Beck" und aus der früheren GfK-Kantine. "Hier wollen wir künftig auch ein warmes Mittagessen anbieten, die Menschen sollen sich in Ruhe niederlassen können und miteinander in Gespräch kommen", erläutert die Tafel-Leiterin Edeltraud Rager. Wegen der Corona-Bestimmungen ist das vorerst allerdings so nicht möglich - zumal die Tafel-Ausgaben, wie alle Lebensmittelgeschäfte, ohne Impfausweis oder Test zugänglich bleiben.

Eine im rückwärtigen Bereich eingerichtete Küche ist trotzdem schon in Betrieb gegangen: Aus den Vorräten im Lager, etwa Gemüse, Nudeln oder Reis, wird derzeit einmal pro Woche eine Suppe oder ein vollwertiges, gesundes Eintopfgericht zubereitet und in Glasbehälter abgefüllt. Gut verschlossen und abgekühlt, können diese Speisen mitgenommen werden - die Tafel-Nutzer brauchen sie zuhause nur aufzuwärmen. Künftig sind durchaus auch Tellergerichte etwa mit Schnitzel oder Bratwürsten geplant.

Erfahrener Koch

Ein kleines Pfand soll dafür sorgen, dass die Glasbehälter nicht weggeworfen, sondern zurückgebracht werden und wieder zum Einsatz kommen. Die Idee zu dem neuen Angebot entstand, als der Leiter der Ausgabestelle, Gerhard Kohler, in einem Gespräch irgendwann leichtsinnigerweise verriet, dass er früher hauptberuflich als Koch tätig war, ursprünglich in österreichischen Hotels, dann in den Betriebsrestaurants großer Firmen der Region. In seinem nun ehrenamtlichen Einsatz wird er am Kessel, einem Kombidämpfer und einer großen Kippbratpfanne von zwei ambitionierten Hobbyköchen unterstützt, die ebenfalls einmal pro Woche mit anpacken. "Geschirr und andere Geräte haben wir auch schon seit ein paar Jahren für ein solches Vorhaben zur Seite gelegt, wenn sich irgendwo eine Gelegenheit bot", erzählt Rager.

Mit der neuen Ausgabestelle konnte die Tafel die bisherigen Abholstationen in St. Bonifaz (und zuvor in der Geisseestraße, beide in St.Leonhard) und an der Ernst-Sachs-Straße in Gibitzenhof aufgeben und räumen. Dafür läuft der Publikumsbetrieb an der Sigmundstraße nun an vier Wochentagen; montags, dienstags, donnerstags und freitags kommen jeweils 100 bis 120 Kunden. "Es war für die Menschen, die zu uns kommen, schon eine Umstellung", räumt Rager ein, "aber die Umgewöhnung sollte inzwischen gelungen sein". Immerhin halten die Busse von zwei VAG-Linien praktisch vor der Haustür, sie bringen die Fahrgäste direkt zur U 1 oder zur U 3.

Weitere Ausgabestellen

Sehr bewährt haben sich die jüngeren Ausgabestellen in der Grolandstraße und im Pfarrhaus von St.Elisabeth in der Altstadt. Größte Ausgabestelle ist die in Langwasser. Obwohl die Generalsanierung des Gemeinschaftshauses abgeschlossen ist, will und kann die Tafel zumindest vorerst nicht dorthin zurückkehren. Denn in den engen Räumlichkeiten im Nebentrakt lassen sich die Pandemievorgaben wie ausreichende Abstände oder eine Einbahnregelung nicht umsetzen; das Pfarrzentrum Zum Guten Hirten, ursprünglich "nur" als Ausweichquartier gedacht, biete dagegen ideale Bedingungen, heißt es.

Täglich holen Fahrer auf mehreren Touren bei Supermärkten, Bäckereien und anderen Betrieben bis zu vier Tonnen Lebensmittel ab. Gut 5000 Tafel-Kundinnen und -Kunden sind aktuell registriert, Voraussetzung ist zum Beispiel ein Nürnberg-Pass. Vorübergehend waren es auch schon an die 6000 gewesen, zuletzt aber sei die Kartei deutlich bereinigt worden, sagt Rager. Wer einige Monate nicht auftaucht, muss sich gegebenenfalls neu anmelden.

Wolfgang Heilig-Achneck