Gedenkfahne für Malte.
© David Inderlied, dpa
fein leben
06.09.2022, 15:24 Uhr

Tödliche Attacke auf Malte in Münster: Es fehlt immer noch an Aufklärung

Der tragische Tod von Malte am Christopher-Street-Day in Münster ist kein Einzelfall, sondern Ergebnis einer gesellschaftlichen Entwicklung, meint unser Autor Timon. Wie gelingt es, dem Hass gegen queere Menschen Einhalt zu gebieten?

Am Samstag, 27. August, am Christopher-Street-Day in Münster prügelte laut Focus Online ein 20-Jähriger den 25-jährigen Transmann Malte ins Koma, der darauf seinen Verletzungen erlag. Die mutmaßliche Tötung war jedoch kein gezielter Anschlag. Viel mehr spiegelt es den Hass wieder, mit dem sich queere Menschen tagtäglich konfrontiert sehen. Nach dem Gewaltakt twitterte Bundesinnenministerin: "Queerfeindliche Hasskriminalität muss präzise erfasst, klar benannt und verurteilt werden". Der Fall aus Münster ist freilich tragisch, jedoch nur die Spitze des Eisbergs.

Hass auf queere Menschen ist keine Randerscheinung

Am Beispiel Malte lässt sich eine klare Entwicklung festmachen. Obwohl die Sichtbarkeit und mediale Aufmerksamkeit der queeren Community steigt, nehmen auch die Gewaltverbrechen gegen Menschen aufgrund ihrer sexueller Orientierung zu. Laut einer Statistik des Bundesinnenministeriums ist die Anzahl der gewalttätigen Übergriffe gegen queere Menschen zwischen 2015 und 2021 um über 300 Prozent gestiegen. Für nicht heterosexuelle Menschen kann das Ausleben ihrer Sexualität in der Öffentlichkeit immer noch gravierende Folgen haben. Und das eben auch bei uns vor der Haustüre

Woran liegt's?

Es sollte queeren Menschen möglich sein, ihre Sexualität öffentlich zu zeigen - ganz ohne Angst. Dafür ist sexuelle Bildung essenziell, dadurch kann Gewalt präventiv verhindert werden. Doch in einer Umfrage des Lesben und Schwulen Verbandes gaben nur 43,5 Prozent der Mädchen und circa 48 Prozent der Jungen an, über Homosexualität im Unterricht aufgeklärt worden zu sein. Die Schule hat einen Bildungsauftrag, den sie bei diesem Thema offensichtlich verfehlt. So kann durch Unwissenheit eine nicht hinterfragte Sexualmoral oder sogar Hass auf bestimmte Personengruppen gedeihen. Ein Versagen der Bildungspolitik, das tödliche Folgen haben kann.

Was kannst Du tun?

Am wichtigsten ist es, als Gesellschaft klar Stellung gegen Homo- und Transphobie zu beziehen. In Nürnberg findet jährlich der Christopher-Street-Day statt, an dem die queere Community für ihre Rechte demonstriert. Dieses Jahr war das Motto: "Sichtbarkeit schafft Sicherheit". Außerdem veranstaltet das selbst verwaltete Jugend- und Kulturzentrum aus der Nürnberger Südstadt eine "Demo für Malte" an der Lorenzkirche am Dienstag, 06. September, um 18.30 Uhr. Im Alltag sollte jede:r, der/die queer-feindliches Verhalten bemerkt, einschreiten und Betroffene unterstützen.


Du brauchst Hilfe?

Das queere Zentrum Nürnberg Fliederlich e. V. in der Sandstraße 1 in 90443 Nürnberg berät Dich in allen Bereichen des queeren Lebens. Erreichbar unter der Telefonnummer: 0911-42 34 57 0 oder per Email an verein@fliederlich.de.

Timon Wegner