Teure Weihnachten? Die Weihnachtsgans könnte in diesem Jahr doppelt so teuer werden, wie in anderen Jahren.
© Karl-Josef Hildenbrand, NN
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27.11.2022, 13:58 Uhr

Teuer-Schock: Erste Restaurants nehmen Weihnachtsgans von der Karte

Für manche Familien könnte die Weihnachtsgans in diesem Jahr zu teuer werden. Der Russland-Krieg ist ein Grund, so richtig Sorge macht den Geflügelzüchtern aber etwas anderes.

Weihnachtsgans nur noch auf Vorkasse? Die steigenden Preise machen sich auch an Weihnachten bemerkbar. Die ersten Wirte reagieren und nehmen Gänse von der Speisekarte. Andre brutzeln nur noch auf Vorbestellung und Anzahlung. Der Grund: Die Wirte haben Sorge, dass die Kunden die hohen Preise nicht zahlen wollen und die Betriebe auf den Kosten sitzen bleiben.

Für ein Kilogramm einer im Ausland aufgezogenen und geschlachteten Gans zahlte der Kunde bislang rund 4,50 Euro, dieses Jahr könnte das Kilo eher bei neun Euro liegen. Bei einer deutschen Gans sei der Preissprung kleiner: "Letztes Jahr waren es 15,95 Euro pro Kilo, in diesem Jahr sind es drei Euro mehr", sagte Lorenz Eskildsen, Vorsitzender des Bundesverbandes Bäuerlicher Gänsehaltung. Eine fünf Kilogramm schwere Gans könnte in diesem Winter also bis zu 100 Euro kosten. Wie viel sich letztlich nach der Zubereitung auf der Speisekarte addiert, hängt von der Kalkulation der Gastwirte ab. Bis zu 250 Euro, mutmaßt die Bild.

Ein Grund für die Preissteigerung ist der russische Angriffskrieg. Durch dessen Folgen ist das Futtergetreide knapper und somit teurer geworden, außerdem sind die Energiekosten gestiegen. Ebenfalls eine Rolle spielt der Mindestlohn. Der steigt zum 1. Oktober und zieht die Personalkosten mit nach oben. Maßgeblich schuld an den explodierenden Preisen ist aber nicht der Krieg, sondern die schlimmste Vogelgrippe, die Europa je erlebt hat.

Laut EU-Gesundheitsbehörde ECDC wurden 2021/2022 europaweit auf fast 2.500 Geflügelfarmen über 48 Millionen Tiere getötet und seuchengerecht beseitigt. Seit dem Frühling geht die Zahl der Ausbrüche zwar wieder zurück, aber sowohl Bio- als auch konventionelle Landwirte müssen ihre Bestände erst wieder aufbauen. "Noch nie war die Gans so sehr in Gefahr wie jetzt", sagt Eskildsen.

Rund 20 Prozent der Gänse, die in Deutschland auf dem Teller landen, werden auch in Deutschland großgezogen und geschlachtet, erklärt der Experte. Der Rest stammt größtenteils aus Polen und Ungarn. In ersterem habe die Pest laut polnischem Veterinäramt zwar nicht so gewütet, allerdings beginne die Schlachtsaison dort erst später als in Deutschland.

Todesurteil Geflügelpest

Das Wort Geflügelpest beschreibt einen ganzen Strauß an Influenzaviren, die sich im Magen-Darmtrakt und in den Atemwegen der Tiere einnisten, erläutert die Max-Planck-Gesellschaft. Wasservögel sind besonders anfällig für die Viren. Die geben die Tiere über den Kot weiter. Ein Vogel scheidet die Viren ins Wasser aus und das nächste Tier, das in Schlamm oder Entengrütze herumwühlt, nimmt die Erreger wieder auf. Leben Hühner, Enten oder Gänse in Zuchtanlagen auf engem Raum zusammen, überträgt sich das Virus zudem auch leicht über die Luft.

Kranke Vögel sind schwach, bekommen Fieber und können schwerer atmen. Verschiedene Körperstellen schwellen an, die Haut verfärbt sich blau und sie entwickeln neurologische Störungen, halten also den Hals seltsam oder bewegen sich unkoordiniert. Sind Tiere eines Bestandes erkrankt, wird in der Regel der gesamte Bestand getötet. Das bedeutet, dass regelmäßig viel mehr Tiere sterben als erkranken. Wirksame Impfstoffe gibt es gegen die Geflügelpest noch nicht.

Isabel Pogner und dpa