Lebensmittelretterin Johanna Wiglinghoff
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feine Stadt

Soziale Heldinnen und Helden: Johanna Wiglinghoff von Foodsharing

Ehrenamt sucht - das ist unsere neue Rubrik, die Dir zeigt, wie vielfältig soziales Engagement in Deiner Stadt aussehen kann. Wir bieten Dir knapp ein paar Fakten zu verschiedenen Initiativen, die Dich ordentlich inspirieren sollen. Und die sich über Unterstützung freuen. Heute: Johanna Wiglinghoff stellt Foodsharing vor.

Name: Johanna Wiglinghoff

Alter: 32

Wohnort: Erlangen

Wirkungsort: Erlangen und Nürnberg

Beruf: Lebensmittelretterin

Aktiv bei: Foodsharing Erlangen und Nürnberg

Aufgabe im Verein: Lebensmittelrettung und Betreuung von Kooperationspartnern

Warum engagierst Du Dich, was bewegt dich?

Weil ich mich für den Stopp der Lebensmittelverschwendung und damit für ein gutes Leben für alle einsetzen möchte.

Wem wird geholfen?

Wir helfen den Lebensmittelbetrieben, weniger oder nichts mehr wegzuwerfen. Wir versuchen, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Zudem bekommen Menschen, die weniger Geld zur Verfügung haben, Lebensmittel, um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen. Der Unterschied zur Tafel ist, dass sich die Tafel ausschließlich um Bedürftige kümmert. Wir sehen uns als Ergänzung zur Tafel, nicht als Konkurrenz.

Wie wollt ihr die Welt besser machen?

Die Lebensmittelverschwendung ist viel zu hoch. Absurd finde ich, dass wir Lebensmittel wegwerfen. Mir ist bewusst, dass wir nur ein Symptom des Problems bekämpfen. Um die Verschwendung nachhaltig stoppen zu können, müssen wir etwas am System ändern. Die Politik und der Einzelhandel müssen mehr in die Verantwortung genommen werden, damit sich etwas ändern kann. Es wäre schön, wenn es Foodsharing nicht mehr geben müsste, da durch einen Systemwandel nicht mehr so viel weggeworfen werden würde.

Wie finanziert ihr euch? Wer unterstützt euch?

Wir arbeiten unabhängig von Geld. Wir nutzen die Ressourcen Zeit und Mensch. Ehrenamtliches Engagement ist wichtig. Bei uns sind in der Region einige Hundert engagiert.

Wobei könnt ihr (aktuell) Unterstützung brauchen?

Aus meiner Sicht können wir Menschen gebrauchen, die Lust haben, Lebensmittel abzuholen und zu verteilen. Wir können Unternehmen gebrauchen, die wollen, dass die Lebensmittelverschwendung in ihrem Betrieb gestoppt wird. Wir können auch Verteilstationen gebrauchen: Das können Organisationen und Institutionen sein, bei denen ein Regal aufgestellt wird, wo Lebensmittel abgeholt werden können. Davon können wir nie genug haben.

Was sollten Interessierte mitbringen?

Freude am Teilen. Unser Motto ist: Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen.

Wieviel zeitlicher Aufwand erfordert ein Engagement bei Foodsharing?

Das ist jedem selbst überlassen. Von einmal in der Woche, einmal im Monat oder täglich. Das ist flexibel und jede und jeder kann so helfen, wie er oder sie es möchte.

An welchen Moment in Deinem Engagement erinnerst Du Dich ein Leben lang?

An die gemeinsamen Kochaktionen, die wir in der Öffentlichkeit gemacht haben. Wir hatten vor Corona einmal im Monat das Foodsharing-Diner in Nürnberg-Schweinau und auch in Erlangen. Wir haben aber auch auf der Fleischbrücke mit verschiedenen anderen Organisationen einen Berg aus Lebensmitteln aufgetürmt, die normalerweise weggeworfen worden wären. Diese haben wir verschenkt bzw. geteilt.

Lebensmittelretten ist eine Bekämpfung der jetzigen Symptome. Um die Lebensmittelverschwendung abzuschaffen, müssen die systemischen Strukturen verändert werden.

Falls Du jetzt voller Motivation sprudelst und Dich im Foodsharing engagieren möchtest: Die Foodsharing Ortsgruppe kannst Du über Instagram kontaktieren. Oder unter nuernberg@foodsharing.network, beziehungsweise erlangen@foodsharing.network.


Mehr soziale Heldinnen: Ehrenamt (ge)sucht: we integrate e.V.


Rainer Bayer