Obst und Gemüse brauchen oft gar keine Verpackung, denn durch die Schale schützen sie sich selbst
© Jan Woitas
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So einfach plastikfrei leben

Plastikfrei zu leben ist schwer, denn es gibt so gut wie alles aus Plastik oder in Plastik verpackt. Mit diesen Tipps verzichtest Du ohne viel Mühe im Alltag auf das umweltbelastende Material.

Unverpackt oder Glas statt Plastik

Greife, wenn möglich, zur Glasverpackung. Ob Ketchup, Mayo oder Senf: Statte Dich für den nächsten Grill- oder Burgerabend mit Soßen aus Glasflaschen aus. Fürs Frühstück gibt es viele Aufstriche, Milch, Jogurt und Saft im Glas. Brotaufstriche lassen sich auch schnell selbst zaubern. Zum Beispiel, indem du Rote Beete, Sonnenblumenkerne und einen Klecks Meerrettich im Mixer zerkleinerst, bis eine geschmeidige Masse entsteht. Obst und Gemüse brauchen oft gar keine Verpackung, denn durch die Schale schützen sie sich selbst. Verwende lieber einen Mehrwegbeutel oder gar keine Verpackung. In Öko-Kisten von Biobauern werden die Früchte und das Gemüse plastikfrei zu Dir nach Hause geliefert. 

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Diese Bio-Kisten liefern Dir Obst und Gemüse aus der Region

Material der Kleidung

Laut Greenpeace besteht fast 60 Prozent unserer Kleidung aus Polyester, aber auch andere Stoffe wie Polyamid, Acryl und Nylon finden sich in unseren Schränken. Diese künstlich hergestellten Fasern sind aus Plastik. Laut einer Studie der Weltnaturschutzunion (IUCN) stammt der größte Teil allen Mikroplastiks im Meer vom Waschen synthetischer Kleidung (35 Prozent). Das bedeutet: Wir sollten beim Kauf neuer Kleidung auf das Material achten, damit wir unsere Umwelt mit diesem „unsichtbaren“ Plastik nicht noch mehr belasten.

Alternativen im Badezimmer

Wenn man sich im Badezimmer umschaut, fällt einem sehr viel Plastik auf. Egal on Shampoo-Flaschen, Zahnbürsten, Wattestäbchen, Einwegrasierer oder Deos. Doch es gibt mittlerweile gute Alternativen, um hygienisch und plastikfrei zu leben. Probiere doch mal Zahnbürsten aus Bambus, Zahnputz-Tabletten oder Zahnpaste aus dem Glas, Rasierhobel mit Rasierseife oder Haarseife. Auch festen Conditioner in einer Papierverpackung kannst Du kaufen. Statt Duschgel und Handseife aus dem Spender reicht Kernseife. Falls Du Handseife am Stück nicht magst, kannst du diese raspeln und in warmem Wasser auflösen und dann in einen alten Seifenspender geben. Wattestäbchen aus Papier oder Mehrwegwattestäbchen sind eine gute Alternative zur Plastikversion. Auch Deo gibt es im Glas oder einer Pappverpackung.

Waschen – Waschmittel

Waschmittel ist nicht nur oft in Plastik verpackt, sondern beinhaltet Mikroplastik. Du kannst auf mikroplastikfreie Artikel zurückgreifen. Es ist aber oft schwer erkennbar, was genau im jeweiligen Waschmittel enthalten ist. Frosch, Planet Pure, Sodasan oder Spendid bieten solche zum Beispiel an. Es gibt aber noch weitere Möglichkeiten, bei denen Du gar kein Waschmittel mehr benötigst, wie Waschnüsse oder Waschbälle. Oder Du machst dir dein Flüssigwaschmittel einfach selbst. Zum Beispiel aus Efeu oder Kastanien. Auch Kernseife eignet sich zum Waschen, es kann aber sein, dass deine Waschmaschine dann länger spülen muss. Mit Soda, Natron und Zitronensäure kannst Du Dein eigenes Waschpulver herstellen.

Zusätzlich solltest du kälter waschen, denn das spart nicht nur Energie, sondern verhindert auch, dass die Mikrofasern der Kleidung schnell brechen. Dadurch spülst Du pro Waschgang weniger Mikroplastik ins Abwasser. 

Waschen - Weichspüler 

Viele Menschen verwenden Weichspüler, dabei beinhalten nicht nur viele Mikroplastik oder sind in Plastik verpackt, sondern sie lassen die Fasern der Kleidung leiden und man muss diese dadurch schneller ersetzen. Weichspüler ist zum Waschen nicht nötig und nur ein Luxus, denn viele Menschen möchten weiche und frisch duftende Wäsche. Am besten ist es, den Weichspüler komplett wegzulassen. Aber es gibt auch Alternativen: Weißer Haushaltsessig löst Kalk und macht die Wäsche dadurch weicher. Ausgepressten Zitronensaft in das Weichspülerfach geben oder klein geschnitten Zitronenstückchen in einem kleinen Sack oder einer Socke mitwaschen. Dadurch wird die Wäsche ein wenig gebleicht, weich und duftet nach Zitronen. Falls Du den Weichspüler nur wegen des Dufts verwendest, probiere es doch mal mit naturreinen ätherischen Ölen.

Kaugummi

Die weiche Kaumasse mit Geschmack besteht aus Kunststoff. Früher wurden Kaugummis aus Chicle hergestellt, dem Milchsaft eines mittelamerikanischen Baums. Doch da die Nachfrage immer größer wurde und die Hersteller gesetzlich nicht verpflichtet sind, die Inhaltsstoffe von Kaugummis anzugeben, bestehen sie nur noch zu einem kleinen Prozentsatz aus Chicle. Der Rest sind synthetische Polymere aus Erdöl. Die klebrige Masse ist also nicht nur in Plastik eingeschweißt, sondern besteht größtenteils aus Plastik. Dieses wird dann auch noch - ungeachtet der Folgen - auf die Straßen und in die Natur geworfen. True Gum (bei dm erhältlich), Forest Gum oder CHICZA-Kaugummi bieten plastikfreie Alternativen. Um einen frischen Atem zu bekommen, kannst Du auch auf die klebrige Masse verzichten und stattdessen auf einem Pfefferminzblatt kauen.  

Mehrweg-Produkte in der Küche

Frischhaltefolie oder Alufolie zum Abdecken von Speisen sind unnötig. Schüsseln können mit Bienenwachstüchern abgedeckt werden und auch Käse lässt sich sehr gut in den Tüchern aufbewahren. Oder benutze alte Marmeladengläser oder Edelstahldosen, um Essensreste im Kühlschrank zu lagern (Falls du noch Plastikdosen zuhause hast, verwende sie, bis sie kaputt gehen, um unnötigen Müll zu vermeiden). Auch Backpapier ist schlecht für die Umwelt, da die Silikonschicht auf dem Papier schlecht recycelbar ist. Es gibt silikonfreie Alternativen, aber auch Mehrweg-Produkte. Backmatten oder Dauerbackfolien kannst Du oft wiederverwenden, doch die Entsorgung ist problematisch, da diese aus Silikon oder Teflon bestehen. Am besten ist es, kein Backpapier zu benutzen und das Blech mit Kokos- oder Rapsöl einzuschmieren.

Essen und Trinken to go

Besonders unterwegs fällt oft viel Plastikmüll an. Ab Juli 2021 sind Einwegverpackungen aus Styropor und andere Plastikprodukte wie Strohhalme oder Geschirr verboten. Das ist gut so, denn wir verbrauchen zum Beispiel stündlich 320.000 Einwegbecher. Deshalb ist es jetzt schon besser, wenn du immer einen Thermo-Becher dabei hast. Diesen befüllst Du am besten schon zuhause mit frischem Kaffee, denn so sparst Du Geld und kannst sicherstellen, dass es sich um Fair-Trade Kaffee handelt. Auch Wasser aus der Plastikflasche ist unnötig, denn in Deutschland ist das Wasser aus dem Hahn unbedenklich (außer Dein Haus ist alt und hat Bleileitungen). Hab immer Deine Wasserflasche dabei, denn in Nürnberg kannst Du auch unterwegs Dein Getränk nachfüllen. An sogenannten Refill-Stationen ist Leitungswasser kostenlos. Das sind Läden oder Orte, die sich freiwillig dazu bereit erklärt haben, Deine Flasche mit Wasser zu füllen. Du erkennst sie am Refill-Aufkleber im Schaufenster oder an der Tür. 

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Mit Hausmitteln putzen

Putzmittel sind fast immer in Plastik verpackt und oft sind auch die Inhaltsstoffe nicht gerade umweltfreundlich. Deshalb holen sich immer mehr Menschen Tipps von ihren Großeltern und putzen wieder mit Hausmitteln. Mit Essig, Zitronensäure, Soda und Natron, kannst Du fast jedes Putzmittel ersetzen. Mische sie jeweils mit warmem Wasser und schon kann es losgehen. Soda ist gut gegen Fett, Essig und Zitronensäure gegen Kalk und Natron ist die Allzweckwaffe gegen jegliche Art von Schmutz. Es gibt auch Tabs, die Du in Wasser auflösen kannst und so Dein eigenes Putzmittel herstellst. Behalte dafür Deine alten Sprühflaschen, damit Du das neue plastikfreie Putzmittel aufbewahren und verwenden kannst. Anbieter sind zum Beispiel: Everdrop, klaeny oder Moanah. Für einen Frischeduft musst Du nicht auf Plastik-Lufterfrischer zurückgreifen. Schneide einfach eine Orange auf und lasse sie im Raum Deiner Wahl trocknen. Schon riecht es frisch und sauber.

Stoff-Taschentücher

Besonders im Winter läuft die Nase ständig. Da hat man einen großen Taschentuchverbrauch. Die Verpackungen sind aus Plastik und so kann sich schon einmal ein Haufen Müll ansammeln. Zuhause kannst Du Taschentuchboxen aus unbeschichtetem Papier verwenden (gibt es ihn jedem Drogeriemarkt). Diese sind jedoch unterwegs unpraktisch und produzieren viel Rest- und Papiermüll (Taschentücher gehören in den Restmüll!). Stofftaschentücher sind deshalb eine gute Alternative. Frage dafür am besten Deine älteren Verwandten, denn diese nutzen oft noch Taschentücher aus Stoff und geben Dir vielleicht ein paar ab. In Sozialkaufhäusern sind sie oft billig zu kaufen. Aus alter weicher Kleidung lassen sie sich einfach selbst machen (am besten eignet sich Baumwolle). Schneide Quadrate aus und nähe nach Bedarf den Rand um, damit sie nicht fransen und schon bist Du fertig. Stofftaschentücher können nach Benutzung gewaschen und wiederverwendet werden.

Werbung verweigern

"Werbung wird doch auf Papier gedruckt, wie soll ich da Plastik sparen?", fragst du dich bestimmt gerade. Indem Du allgemein Werbung verweigerst, sparst Du erst einmal Papier. Das ist gut, aber jedes Wochenende wirft die Post in fast jedem Haushalt Deutschlands die Werbesendung Einkaufaktuell ein. Diese ist in dünne Plastikfolie verpackt. Bei einer Auflage von über 20 Millionen Stück, kommen jeden Samstag über 45 Tonnen Plastikmüll zusammen. Viele Haushalte schmeißen die Werbung ungeöffnet weg, ohne das Plastik vom Papier zu trennen. Indem Du Werbung verweigerst, fällt also über einen längeren Zeitraum, wenn die Auflage verkleinert wird, weniger Papier- und Plastikmüll an.