Tut sich bald etwas in der Nürnberger Queer-Szene? Am Mittwoch entscheidet die Stadt über den Aktionsplan "Queeres Nürnberg".
© Wolfgang Kumm, dpa
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23.02.2022, 06:25 Uhr

"Queer ist normal": Mit diesem Aktionsplan soll Nürnberg toleranter werden

In einem Instagram-Live erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister König: "Queer ist für mich normal". Ein Aktionsplan mit 100 Maßnahmen soll für die queere Community neue Angebote schaffen.

In Nürnbergs LGBT-Szene regt sich etwas: Mit dem Aktionsplan "Queeres Nürnberg" sollen künftig mehr Angebote für die LGBT-Community entstehen. Am Mittwoch stimmt der Stadtrat über den "Masterplan" ab. Bereits am Vorabend bekannte sich Oberbürgermeister Marcus König in einem Instagram-Live zu den Vorhaben: "Für mich gilt: Queer ist ganz normal". Als erste bayerische Stadt setzt sich Nürnberg das Ziel der queeren Community mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Im Gespräch mit der Beauftragten für Diskriminierungsfragen der Stadt Nürnberg Christina Burmann erläuterte König, worum es in diesem Plan überhaupt geht.

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Für König und Burmann steht fest: Nürnberg braucht mehr Angebote für die queere Community und einen Austausch mit allen Bevölkerungsgruppen. Auf rund 50 Seiten geht es im Aktionsplan der Stadt um 100 neue Maßnahmen, die in den kommenden Jahren der Szene zugute kommen sollen. Bis 2025 hat sich die Stadt auch vorgenommen die Ergebnisse des Aktionsplanes zu reflektieren. So soll erkannt werden, wo die ein oder andere Stellschraube nachgezogen werden muss.

Ein echter "Masterplan" für die Community?

"Der Aktionsplan ist jedoch kein Vorhaben, das alles rettet und dann ist die Welt okay", erklärt Burmann realistisch. Sollte der Stadtrat die Vorhaben absegnen, dann würden künftig regelmäßig in den einzelnen Ausschüssen der Stadt und mit der Community die tatsächlichen Resultate diskutieren.

Doch was verändert der Aktionsplan künftig für das queere Leben in Nürnberg? Die Arbeit in queeren Jugendgruppen in der Region soll noch stärker gefördert werden. "Egal ob queere Nachmittage in Jugendzentren oder Großprojekte wie das erste Nürnberger Fußballturnier der Vielfalt, der 'Come Together Cup' am Max-Morlock-Stadion - Künftig sollen noch mehr solcher Angebote unterstützt werden", erklärt Burmann. In den Jugendzentren Container und Brixx gibt es bereits solche Angebote für junge Menschen. "Diese gehören dort tatsächlich zu den bestbesuchten Veranstaltungen", verrät die Diskriminierungsbeauftragte der Stadt Nürnberg.

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Doch nicht nur die Jugendarbeit soll vom Aktionsplan "Queeres Nürnberg" profitieren: Gerade in der Seniorenarbeit oder in Gesundheitseinrichtungen gäbe es noch zu wenige Angebote. Hier sollen Besuchsrechte für queere Seniorinnen und Senioren in Einrichtungen überarbeitet werden und Schulungsprogramme für Hebammen und Kindergärten zum Thema Intersexualität ins Leben gerufen werden. Auch das Stadtarchiv würde nach einem Beschluss des Aktionsplans bald schon queere Geschichte in Nürnberg sichern. "Das finde ich sehr wichtig", erklärt Burmann, "Festzuhalten, dass die queere Geschichte zu Nürnberg gehört - das einfach toll."

König ist sich sicher, dass der Aktionsplan ein Schritt in die richtige Richtung sei: "Auch Uschi Unsinn - da bin ich mir sicher - schaut von oben zu und sagt: 'Cool habter's g'macht und jetzt müsster's umsetzen!'"

Robin Walter