Eine ordentliche Ausbeute beim Schwammerl-Sammeln. Eine Nürnberger Pilzexpertin erklärt Dir, worauf Du beim Pilzesuchen achten musst
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29.09.2022, 12:33 Uhr

Pilze sammeln und bestimmen: Unsere Tipps für Deine Pilz-Suche

Ein Korb, randvoll mit leckeren Pilzen, selbst gesammelt aus dem Wald natürlich. Im Herbst beginnt unter dem Dach der Waldbäume das große Pilz-Suchen. Doch die Schwammerl-Jagd birgt Tücken und kann bei Unwissenheit zur ernsten Gefahr werden. Wir erklären Dir alles Wichtige, damit Deine nächste Pilze-Tour gelingt.

Bei der Pilz-Suche ist Vorsicht angesagt: Neben ungenießbaren Exemplaren verbergen sich auch hochgiftige Pilze im Walddickicht. Das Problem daran: Einem ungeschulten Auge entgehen häufig wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen einem leckeren Schwammerl und einem tödlich giftigen Pilz. Wir haben mit Ursula Hirschmann gesprochen, sie ist Pilzexpertin der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg und gibt Pilzsuchenden regelmäßig Auskunft über erbeutete Schwammerl. Sie hat uns ein paar wichtige Tipps an die Hand gegeben, die Du unbedingt bei Deiner nächsten Pilz-Tour in den Nürnberger, Fürther oder Erlanger Wäldern beachten solltest.

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Welche Pilze kann man essen?

Die wichtigste Regel direkt vorab: "In Deinem Körbchen dürfen ausschließlich Pilze landen, von denen Du Dir garantiert sicher bist, dass es sich um einen Speisepilz handelt", erklärt Hirschmann. Das große Problem an der Pilzsuche als Laie: "Es gibt keinerlei Regeln, anhand derer Speisepilze von giftigen Exemplaren einheitlich und eindeutig unterschieden werden können", erklärt die Expertin. Schönes Aussehen, ein angenehmer Geruch oder ein Gefühl seien keine Gründe, warum ein Pilz im Sammelkorb landen sollte. Wenn Du einen Pilz eindeutig erkennst, dann solltest Du auf den Zustand des Schwammerls achten, "Man sollte nur gesunde Pilze mitnehmen, also keine madigen, angeschimmelten oder verdorbene Exemplare", führt Hirschmann aus. Auch solltest Du aufgrund der höheren Verwechslungsgefahr keine zu kleinen und jungen Pilze sammeln.


Ist das ein Speisepilz? Hier findest Du die beliebtesten Schwammerl auf einen Blick:


Kann man Pilze roh essen?

Nur weil ein Pilz als 'essbar' gilt, bedeutet das nicht, dass dieser auch im rohen Zustand verzehrbar ist. Selbst roh essbare Pilze solltest Du niemals einfach so essen, auf dem Pilz könnten sich beispielsweise Fuchsbandwurm-Eier befinden. Die meisten Speisepilze können im rohen Zustand ungenießbar oder sogar giftig sein", warnt die Nürnberger Expertin. Um sicher zu sein, dass Du Deinen Speisepilz ohne Bedenken vertilgen kannst, solltest Du alle Pilze ausreichend und lange genug erhitzen.

Röhren oder Lamellen? Welche Pilze sollte man suchen?

Hier gibt es keine klare Antwort. Sicher ist jedoch, dass gerade für Anfänger:innen die Röhrlinge, sprich die Pilze mit porenartigen Schwämmen auf der Hutunterseite, eine sicherere Wahl sind. Die Pilzexpertin bestätigt das: "Unter den Röhrlingen gibt es verhältnismäßig weniger Giftpilze. Wer sicher Pilze sammeln will, der sollte einige Arten eindeutig erkennen können und im Wald auch nur nach diesen suchen."

Wie erntet man Pilze richtig?

Entweder schneidest Du die Pilzstiele möglichst nahe am Boden mit einem Messer ab oder Du drehst den Pilz vorsichtig aus dem Boden. Pilzkennerin Hirschmann empfiehlt jedoch die zweite Methode: "Bei vielen Pilzen liegen wichtige Erkennungsmerkmale am unteren Ende des Stiels, diese werden oft von Gestrüpp verdeckt. Beim vorsichtigen Herausdrehen werden diese Merkmale sichtbar."

Worin bewahrt man Pilze am besten auf?

Vermeide Plastiktüten und Boxen zum Transport Deiner frisch gefundenen Pilze. "Pilze enthalten viel Eiweiß", erklärt die Nürnberger Pilzexpertin, "Ohne luftdurchlässige Verpackung beginnen die Pilze zu 'schwitzen' und verderben aufgrund der zersetzten Eiweiße schneller." Besser also: Körbchen oder zur Not in Papiertüten. Wichtig beim Transport der Pilze ist auch: Trenne Deine Speisepilze von Pilzen, bei denen Du Dir nicht sicher bist. Solltest Du zuhause bei genauerer Betrachtung feststellen, dass einer Deiner Pilze doch ungenießbar oder gar giftig ist, so kannst Du Deine Speisepilze dennoch mit gutem Gewissen essen.

Wo darf man Pilze sammeln?

Grundsätzlich dürfen in allen Wäldern Pilze gesammelt werden. Sogar die Bayerische Verfassung gewährt allen Menschen das Recht, wilde Früchte - dazu zählen auch Pilze - in haushaltsüblichen Mengen mitzunehmen. Achte im Wald bitte darauf, dass Du keinen Pilz mutwillig zerstörst, einige der kleinen Pilze stehen unter Naturschutz.

Wie lange sind Pilze haltbar?

"Gesammelte Pilze sollen noch am selben Tag zubereitet werden", erklärt die Nürnberger Pilzexpertin. Bereits nach einigen Stunden können viele Pilze zuhause bereits verderben. Wer seine Pilze nicht am selben Tag essen will, dem empfiehlt Ursula Hirschmann: "Am besten werden die kleingeschnittenen Pilze gleichmäßig durchgegart, dann halten sich die Pilze im Kühlschrank für ein bis zwei Tage, im Gefrierfach sogar deutlich länger."

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Woran erkennt man eine Pilzvergiftung?

Vergiftungserscheinungen müssen nicht unbedingt direkt nach dem Verzehr auftreten. "Manche bemerkt man nach wenigen Minuten, andere nach einigen Stunden und bestimmte Vergiftungen machen sich erst nach bis zu 14 Tagen bemerkbar. "Pilze können verschiedene Gifte enthalten", warnt die Pilzexpertin, "So können Magen-Darm-Beschwerden auftreten, neuro- und psychologische Leiden nach dem Pilzessen eintreten oder sogar Leber- und Nierenversagen auslösen. Pilzreste, Putzabfälle und gekochte Pilze sollte man nicht sofort entsorgen. Bei einer tatsächlichen Vergiftung können diese wichtige Merkmale über den gegessenen Pilz zeigen." Wichtig bei einer möglichen Pilzvergiftung: Begib Dich in ärztliche Obhut und nimm die Pilzreste mit oder kontaktiere einen Gift-Notruf in Deiner Nähe.

Sind Pilze strahlenbelastet?

Nach dem schweren Reaktorunglück in der ehemaligen Sowjetunion im Kernkraftwerk Tschernobyl 1986 hieß es für viele Jahre, dass Pilze in Bayern radioaktiv verstrahlt seien. "Im Raum Nürnberg sind die Pilze weniger belastet, das könnte eventuell am sandigen Boden in der Region liegen", erklärt Hirschmann, dennoch empfiehlt sie, einen übermäßigen Konsum von Pilzen zu vermeiden. Nicht nur wegen einer möglichen Strahlungsbelastung, sondern auch wegen des hohen Gehalts an Chitin und wegen möglichen Spuren von Schwermetallen.

Wie gut funktionieren Pilz-Apps?

Allein auf Apps zur Pilzbestimmung oder Bücher solltest Du Dich nicht verlassen. "Man braucht eine gewisse Erfahrung, um die Merkmale von Speisepilzen von denen möglicher giftigen Doppelgänger zu unterscheiden", erklärt die Nürnberger Pilzexpertin der Naturhistorischen Gesellschaft. Solltest Du Dir nicht sicher sein, dann kannst Du Dich an eine:n Pilzberater:in in Deiner Nähe wenden. Diese findest Du auf der Website der naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg. Dort findest Du auch allerlei Informationen. Ursula Hirschmann und viele andere Berater:innen stehen Dir hier nach telefonischer Anfrage zur Seite und begutachten gegebenenfalls zusammen mit Dir Deine Pilzfunde. Dennoch gilt: Im Zweifelsfall bleibt der Pilz im Wald!


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