Die Pisten sind weiß, doch um sie herum ist alles grün, als wäre es Frühling.
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fein leben
13.01.2023, 14:37 Uhr

Nur Kunstschnee auf der Piste - ist es okay, trotzdem Skifahren zu gehen?

Jährlich reisen rund 50 Millionen Menschen aus aller Welt in die Alpen, um das Skifahren mit allem was dazugehört auszuleben. Schneebedeckte Pisten, deftiges Essen in den höchsten Hütten und Aprés Ski bis zum abwinken: doch besonders in dieser Saison rückt das Skifahren in kein gutes Licht. Plusgrade sorgen dafür, dass natürlicher Schnee längst nicht mehr ausreicht.

Skifahren beschäftigt die Menschen aktuell so sehr wie nie zuvor. Dabei geht es aber weder um den Wettbewerb, in dem Slalom gefahren oder von einer Schanze gesprungen wird, noch um das eigene Skifahren mit Freund:innen. Thema ist bedauerlicherweise der Klimawandel. Er sorgt dafür, dass die Kräfte der Natur nicht mehr ausreichen und künstlich nachgeholfen werden muss, was den Schnee auf den Ski- und Snowboardpisten betrifft. Doch wie sehr darf man so etwas unterstützen?

Statt weiße Berghänge warten grüne Wiesen

Auch in diesem Jahr zeigt das Thermometer Rekordtemperaturen an. Hohe Plusgrade bis zu über 15 Grad sorgen dafür, dass es weder im Tal, noch in den Bergen schneit, geschweige denn, dass die Flocken liegen bleiben. Die Lösung, Kunstschnee einzusetzen, ist jedoch auch schon am Davonschmelzen. Viele Gebiete, wie beispielsweise Garmisch-Classic, nagen jetzt noch, laut dem BR, an den Schnee-Reserven der Weihnachtsferien. Kanonen, die mithilfe von Wasser und kalter Luft unnatürlichen Schnee herstellen, sind nach wie vor vor allem für Klimaaktivist:innen und Naturschützer:innen Klimasünder. Zu viel Energie und andere Ressourcen, wie Wasser sollen dadurch verschwendet werden. Auch anderer Komfort, wie beheizte Skilifte und moderne Gondelstationen, zählt längst in fast jedem Skigebiet zum Standard. Ebenso müssen viele Arbeiten erledigt werden, bevor eine Piste eben eine Piste sein kann: es werden Wälder gerodet, wenn es sein muss Flüsse umgeleitet oder Felsen gesprengt. Um ebenerdig zu sein, muss der Boden planiert werden. Folge dessen können Überflutungen, Schlammlawinen oder durch die fehlenden Wälder Schneelawinen ausgelöst werden. Eben alles auf Kosten der Natur.

Abseits der Pisten sieht es jedoch weniger weiß aus.
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Klimasünde Schneekanone?

Um Spaß und Sicherheit zu garantieren, müssen Skigebiete immer einen Plan B zur Hand haben, sollte der Schnee ausbleiben. Hierbei kommen Schneekanonen ins Spiel. Diese stellen künstlichen Schnee her. Ba­sis der Beschneiung ist ein Gemisch aus kalter Luft und Wasser. Um den Wasserbedarf zu decken, werden viele künstliche Speicherseen angelegt. Zudem ist künstlicher Schnee dichter als natürlicher Schnee, sodass der Schnee zwar länger liegen bleibt, aber weniger Sauerstoff an die Erde kommt.

Durch Schneekanonen kann künstlich Schnee gewonnen werden, der aber nicht wie ein natürlicher Schneekristal eckig, sondern rund ist und somit dichter ist.
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Tiere verlieren ihren Wohnraum

Nicht nur die Natur, auch Wildtiere leiden unter dem Skitourismus. Gerade wenn Skifahrer:innen abseits der präparierten Pisten fahren, dringen sie schnell in den Wohnraum von Tieren, wie Gämsen, Steinböcken, Rehen, Rotwild, Schneehasen und vielen Vogelarten, ein. Dadurch werden sie aufgeschreckt, verjagt und erleiden im schlimmsten Fall sogar dem Tod. Das Flutlicht, das gerne bei einer Nachtfahrt angeknipst wird, schadet mit seinem grellen Licht vor allem nachtaktiven Tieren. Auch der nächtliche Einsatz von Schneekanonen und Pistenraupen stört die Nachtruhe der Wildtiere.

Bayerns Wirtschaftsminister freut sich über Kunstschnee

Es scheint, als hätte Aiwanger, der bayerische Wirtschaftsminister, zum Thema Kunstschnee eine konkrete Meinung: so kommentiert er einen Artikel des Bayerischen Rundfunks (BR) mit dem Titel „Positive Skitourismus-Bilanz wegen Kunstschnee“ mit „Heimischer Wintersport heuer dank Beschneiung vielerorts immer noch möglich! Bitte bei den Fachleuten vor Ort informieren statt vom grünen Großstadttisch aus polemisieren und alles verbieten wollen!“

Der von Aiwanger kommentierte Artikel beschreibt unter anderem, wie sich Naturschützer:innen und Klimaaktivist:innen über den unnatürlichen Schnee im Gebiet im Skigebiet Garmisch-Classic in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen bedauern. Grund dafür sei die enorme Verbrauch von Wasser und Energie - er sei nicht mehr zeitgemäß. Es gäbe nun einige effizientere Schneekanonen, die laut dem BR weniger, nämlich rund 1,5 Kilowatt Strom pro Stunde verbrauchen.

Die Schuld am warmen Winter

Einzelne Wetterphänomene sind nicht ausschließlich auf den Klimawandel zurückzuführen. Trotzdem: Wetterlagen, wie Hitzewellen, Regenmangel oder fehlender Winter, nehmen durch den Klimawandel stark zu.

Die guten und schlechten Seiten am Wintersport

Wie alles auf dieser Welt hat auch das Skifahren Vorteile und Nachteile. Jedes Jahr zum Saisonstart versammeln sich Arbeiter:innen in den Alpen, um entweder als Skilehrer:in, Kellner:in oder um die Pisten bei Stand zu halten. Viele Jobs hängen am Wintersport und den damit verbundenen Tourismus. Dieser bringt den dort lebenden und arbeitenden Menschen Geld zum da sein ein. Trotzdem darf nie außer Acht gelassen werden, wie sehr wir die Natur nicht nur auf die Probe stellen, sondern ihr gar schaden, nur um Spaß zu haben - denn können wir uns das in solchen Zeiten überhaupt noch leisten?

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