Können wir im Herbst endlich wieder in unserem Lieblingsclub tanzen? 
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Nürnberger Club-Betreiber: "Mit einem halben Club zu feiern - da kommt keine Stimmung auf"

Dürfen Clubs und Diskotheken ab Herbst wieder öffnen? Das hatte der bayerische Ministerpräsident Söder jüngst in Aussicht gestellt. Die Clubbesitzer in Nürnberg sind nicht sofort überzeugt - viele Fragen bleiben für sie offen.

Ist es der Hoffnungsschimmer für die Betreibenden von Clubs und Diskotheken? Seit eineinhalb Jahren findet dort keine Party mehr statt, anstatt bei ausgelassenen Nächten zu DJ-Sets drehen sich die Diskokugeln über leeren Tanzböden. Jetzt aber hat Bayerns Ministerpräsident Besserung in Aussicht gestellt. Nach einer Aussage von Söder sollen im Herbst Diskos und Clubs wieder öffnen dürfen. Die Rückkehr ins Nachtleben verknüpft Söder mit einer Bedingung: Nur wenn bis Herbst viele junge Menschen durchgeimpft sind, ergebe die Lockerung Sinn. Eine Zahl, wie viele junge Menschen geimpft sein müssten, hatte er nach der Sitzung des Ministerrats vergangene Woche nicht genannt, ebenso wenig hatte er präzisiert, was in diesem Zusammenhang "jung" bedeutet - unter 20-Jährige, unter 30-Jährige, unter 50-Jährige, die sich jung genug für die Disco fühlen? Sein Vize, Hubert Aiwanger, ist anderer Meinung als Söder. Er forderte: "Auch ein negativ Getesteter muss in die Disko dürfen." Andernfalls schaffe man eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus Geimpften und Ungeimpften.

Nicht ganz überzeugt sind die Betreiber - sie halten Söders Worte für eine vage Ansage, im Übrigen die erste seit eineinhalb Jahren. Und sie hat die Clubbetreiber und -betreiberinnen überrascht. Mathis Wandt zum Beispiel, Betreiber der Nürnberger Clubs Mach1, Rosi Schulz, Gemein & Gefährlich und Resi, sieht den Vorstoß kritisch.


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Einerseits bereiten sich Wandt und sein Team schon die letzten Monate auf Cluböffnungen vor, andererseits sagt er: „Öffnungen machen nur dann Sinn, wenn wir keine gravierenden Auflagen wie Kapazitätsbeschränkungen oder Abstand halten mehr einhalten müssen.“ Hygieneregeln wie Desinfektionsmittel bereitstellen und Hände-Waschen seien natürlich selbstverständlich, „aber nur mit einem halben Club feiern, da kommt keine Stimmung auf“, findet Wandt.

"Man darf ja auch nicht vergessen, dass viel hoch gefahren werden muss. Da weiß man nicht, ob es sich dann lohnt", sagt auch Charly Ott, Betreiber der Ol' Dirty in Nürnberg. Es herrsche eine "Handbremsenstimmung". Was im September/Oktober sein wird, kann keiner abschätzen. Das verunsichert.

Dominique Lamee, Betreiberin des Haus33 in Nürnberg, startet ebenfalls bereits die Vorbereitungen, verlässt sich jedoch nicht auf Söders Ankündigung, die Clubs im Herbst zu öffnen. "Dass wir aufmachen können und ein oder zwei Monate später wieder zumachen", das ist ihre Befürchtung. Während der Schließung habe sie vieles im Club erneuern und streichen können, kleine Umbau-Arbeiten laufen.

Der größte Schaden konnte bislang durch finanzielle Unterstützung abgewendet werden, berichtet Matthis Wandt und schaut nach vorne: „Wir haben uns natürlich über Markus Söders Ankündigung gefreut, allerdings muss die Impfquote der 18-bis 28-jährigen in der Region bis, sagen wir mal, Oktober hoch genug sein.“ Wenn von 50.000 Menschen nur 2000 geimpft seien, sei das wirtschaftlich schwierig. Auch wäre es Wandt am liebsten, wenn auch Getestete die Möglichkeit hätten, die Clubs zu besuchen. Lamee sieht es als unfair an für Menschen, die sich nicht impfen lassen können. Trotz allem sei es "ein Schritt in die richtige Richtung".


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Die Frage nach den Förderungen bei reduziertem Betrieb bleibt aktuell noch offen. Ein weiteres Problem, das die Gastronomie plagt und auch die Clubs plagen wird: Die Suche nach neuem Personal nach dieser langen Dürre des Lockdown.

Katharina Schmitt/Andrea Munkert