Am Bauhof in der Nürnberger Altstadt ist mit ehrenamtlichem Engagement ein Naschgarten entstanden. Jennifer Ganek (Quartiersmanagerin), Michael Lang (Abteilungsleiter Stadterneuerung), Siegfried Dengler (Leiter Stadtplanungsamt), Monika Schwarzfischer und Antje Bölt (beide Lorenzer Laden) schauen, was schon erntereif ist. 
© Katja Kiesel, VNP
fein leben
feine Stadt
10.05.2022, 07:55 Uhr

Nürnberger Altstadt: Am Bauhof darf genascht werden!

Das nördliche Ende des Nürnberger Bauhofs war früher eine regelrechte Schmuddelecke. Jetzt haben Stadt und Lorenzer Laden ehemals ungepflegte Hochbeete in einen idyllischen Naschgarten verwandelt.

Zielstrebig steuern Hummeln und Bienen Ringelblumen und Erdbeerblüten an, an Beerensträuchern hängen schon die ersten Mini-Früchte und der Mangold mit seinen hübschen roten Stängeln wartet schon auf seine Ernte: Mitten in der Lorenzer Altstadt, am nördlichen Ende des Bauhofs ist eine kleine grüne Oase entstanden. Pflanzpaten des Lorenzer Ladens haben die einst vernachlässigten Hochbeete in einen öffentlichen Garten mit Gemüse, Früchten, Kräutern und Blumen verwandelt. Passanten dürfen gerne naschen.

Am Bauhof ist ein kleiner Naschgarten entstanden, der vom Lorenzer Laden gepflegt wird. Graffiti-Künstler Carlos Lorente hat eine unansehnliche Wand verschönert und sprüht gerade das "LOLA"-Logo auf. 
Jennifer Ganek, Quartiersbüro Altstadt, NNZ

Bis zum vergangenen Jahr war das noch anders, wie Siegfried Dengler, Leiter des Stadtplanungsamtes berichtet. Aus seinem Büro, das genau über dem neuen Mini-Garten liegt, blickte er früher auf Altglascontainer, wild abgelagerten Müll und verdorrte Pflanzen. Auf dem schmuddeligen Hof erleichterten sich Wildpinkler und auch Drogenverkäufer sollen hier ihren Geschäften nachgegangen sein.

Auf seine Initiative hin machte sich das Quartiers-Management Altstadt auf die Suche nach Grün-Paten und wurde beim Lorenzer Laden fündig: Ein halbes Dutzend Ehrenamtliche kümmert sich seit 2021 um die Hochbeete. „Seit es neu begrünt wurde hat sich die Situation entspannt, die soziale Kontrolle wirkt“, sagt Dengler. Er freut sich, wenn Passanten stehen bleiben, an Blumen und Kräutern riechen und eine Kostprobe nehmen. Die Grün-Patinnen berichten, dass sie immer wieder Müll und Zigarettenkippen aus den Beeten sammeln. Bisher beklagen sie glücklicherweise noch kaum Vandalismus.

2021 tauschte der Servicebetrieb Öffentlicher Raum (Sör) zunächst die Erde in den Beeten. Dann nahmen sich die freiwilligen Helferinnen des Lorenzer Ladens den L-förmig angeordneten Teil direkt am Ämtergebäude vor. Kürzlich legte deren ehrenamtliche Mitarbeiterin Antje Bölt das Beet über der Einfahrt zur Tiefgarage als Heilkräutergarten an.

An dem Projekt waren noch viele weitere Helfer beteiligt: So steht neben den Beeten eine von der Noris-Arbeit gezimmerte Werkzeugkiste, auf der man sich auch zu einer Pause niederlassen kann. Auch ein Wasseranschluss wurde von der Stadt installiert. Bis dieser nutzbar war, half die benachbarte Kunsthalle mit Gießwasser aus. Eine einst unansehnliche Wand hat der Nürnberger Graffiti-Künstler Carlos Lorente verschönert.

Helfer gesucht

Wer sich als Grün-Pate in der Altstadt engagieren möchte, kann sich an das Quartiersmanagement wenden: Telefon (0911) 80194261.

Clara Grau