Im Vorfeld des CSD am 1. Oktober in Erlangen wurde ein Plakat in der Henkestraße böswillig zerstört. Links zu sehen ist das Originalplakat am Erlanger Bahnhof.
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30.09.2022, 09:13 Uhr

Nach Zerstörung der CSD-Plakate: Wie viel Queerfeindlichkeit gibt es in Erlangen?

Ende August nimmt trans Mann Malte C. am Christopher Street Day (CSD) in Münster teil, wenige Tage später ist er tot. In Bremen wird eine 57-jährige Frau, ebenfalls trans, von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen. Sie wird dabei schwer verletzt. "Es sind nicht nur die großen Vorfälle, auch kleine Sachen wie die Plakatschmiererei in Erlangen sind Übergriffe auf die queere Community", sagt Josephine Taucher, trans Frau und queere Aktivistin in Erlangen.

Sie bezieht sich auf einen Vorfall in der Erlanger Henkestraße vergangene Woche. Dort wurde ein Werbeplakat für den CSD in Erlangen am 1. Oktober von Unbekannten zerstört. Ursprünglich stand auf dem Plakat "Erlangen feiert Pride", das Wort "Pride" wurde mit blauer Farbe überstrichen, ebenso das Datum der Demonstration.

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Serie von Übergriffen

"Als ich die Schmierereien gesehen habe, war ich zwar erschrocken, aber nicht überrascht", erzählt Taucher. Der Vorfall reihe sich in eine Serie von Übergriffen auf die queere Community ein. „Es wäre ein Trugschluss zu denken, dass es Queerfeindlichkeit in unserem beschaulichen Erlangen nicht gibt.“

Die Linken-Politikerin engagiert sich in der Erlanger Gruppe des Vereins Trans-Ident. Dorthin können sich Menschen wenden, die zwar körperlich dem männlichen oder weiblichen Geschlecht angehören, sich aber einem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. Etwas schlimmeres als Beleidigungen und Vandalismus sind der trans Frau Josephine in Erlangen nicht bekannt. Zuletzt habe sie Beleidigungen und komische Blicke bei einer Kundgebung zum Tod von Malte C. in Nürnberg erlebt. "Es gibt viele Übergriffe, die nicht zur Anzeige gebracht oder nicht erfasst werden", sagt sie. Die Dunkelziffer sei groß.

Josephine Taucher. 
privat, NN

Auch wenn ihr in Erlangen bisher nichts passiert sei, habe Taucher immer ein seltsames Gefühl, wenn sie sich mit ihrer Partnerin in der Öffentlichkeit zeigt. "Wir halten nicht so oft Händchen, wie wir könnten. Ich will nicht, dass meine Frau durch meine Queerness in Gefahr gerät."

Mehr Aufklärung

Die 36-Jährige wünscht sich mehr Aufklärung, vor allem in Schulen. Das passiere zwar bereits, allerdings sei diese Arbeit von Ehrenamtlichen und deren Kapazitäten abhängig. Außerdem wünscht sich Taucher, dass es in Erlangen bald einen queere Schutzraum gibt. "Das wäre ein Signal mit dem wir als Stadt zeigen könnten, dass wir der queeren Community einen Platz geben."

Der Schutzraum ist eine Idee von Vertreterinnen und Vertretern der queeren Community in Erlangen und wurde bereits im Stadtrat diskutiert. Derzeit ist vereinbart, dass der Verein MakeYourTownQueer, der auch den CSD organisiert, im Oktober zu einem offenen Treffen für Interessierte einlädt. Dort sollen Bedarfe und Interessen eines solchen Schutzraumes ermittelt werden.

Schon im vergangenen Jahr habe es queerfeindliche Schmierereien auf Plakaten gegeben, damals bei einer Ausstellung im Schlossgarten. Ansonsten sind Klopfer aus der Community in Erlangen nur Fälle bekannt, bei denen trans Personen auf Toiletten seltsam angeschaut wurden. Als queere Person habe sie Respekt vor Übergriffen, will sich deshalb aber nicht verstecken. Ein Leben in ständiger Angst sei keine Lösung.

Um die Sicherheit beim Protestmarsch am Samstag hat sich der Verein schon früh Gedanken gemacht. Es war den Mitgliedern ein großes Anliegen, die Veranstaltung an einem zentralen Ort abzuhalten. Deshalb trifft sich der Zug am Samstag um 13 Uhr unter dem Motto "Sichtbarkeit schafft Sicherheit" am Schlossplatz, nicht im Röthelheimpark wie die Jahre zuvor. Polizei sowie Ordnerinnen und Ordner werden vor Ort sein.


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Nina Dworschak