In Reih' und Glied: Unser Gastautor Pietro Mattina aus Stein vor seinem Sneakerregal. 
© Hans-Joachim Winckler
fein leben
02.12.2021, 14:49 Uhr

"Mit der Zeit wächst die Summe, die man bereit ist, für einen Schuh zu zahlen"

Schuhe werden schon lange nicht mehr nur zum Tragen gekauft. Sie sind Mode, Statussymbol, Lifestyle. Pietro Mattina aus Stein ist begeisterter Sneakersammler und nimmt uns heute mit in seine Leidenschaft. Er verrät uns, ob 200 Paar Sneaker viel sind und wie viel ihn sein teuerster Schuh gekostet hat.

1984, der Beginn einer Ära. Nicht nur für mich. Michael Jordan machte das erste Spiel seiner NBA-Karriere für die Chicago Bulls, nichtsahnend, dass dies Generationen beeinflussen sollte. Dabei ging es um seine Sneaker.

Den Anfang machen Sneaker aus der Heimat

An den Füßen trug ich damals Adidas oder Puma – wegen der Nähe zu Herzogenaurach. Allerdings: In dieser Zeit waren noch viele US-Soldaten in Deutschland stationiert, gerade auch in Franken. Ende der 80er Jahre lernte ich also mehr und mehr amerikanische Jugendliche kennen und mit ihnen Hip-Hop und Basketball.


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Weil ich mit meinem langweiligen Outfit nicht gegen ihre "coolen" Klamotten ankam, waren die ersten gemeinsamen Besuche in der PX, also den Läden innerhalb der Military Base, echte Highlights für mich. Mein erster "Basketball-Schuh", ein Jordan IV "Bred" von Nike, war lange Zeit mein Heiligtum. Es war der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute anhält.

FOTO: Hans-Joachim Winckler DATUM: 06.03.2021..MOTIV: Pietro Mattina aus Stein sammelt mit großer Leidenschaft Sneakers
Hans-Joachim Winckler

Die Liebe zum Basketball führt zum Sneaker-Hype

Schuhe wurden damals im Laden oder aus dem Katalog gekauft, und zwar um sie zu tragen. Dank Michael Jordan schwappte die Basketballeuphorie nach Europa und mit ihr Rap-Musik und Break Dance, wozu wir passende Kleidung und Schuhe brauchten. Jordans Verein, die "Bulls", waren beliebt. Ich stand mitten in der Nacht auf, um die NBA-Finals, aber vor allem um Jordan Basketball spielen zu sehen. Leider konnte ich mir nicht immer die neuesten und aktuellsten Jordans leisten, aber schon damals liebte ich den amerikanischen Lifestyle – und Sneaker.

Schule, Ausbildung und Berufsleben rückten diese Leidenschaft vorerst in den Hintergrund. Das Feuer entfachte dann der "Nike Air Max 90 Hyperfuse": ein limitierter Schuh, der für die Olympischen Spiele in London 2014 auf den Markt kam und den ich nie wieder gesehen hatte.

Der Weg zum Sneaker-Sammler

Ich fing an, gezielt in Sneakergruppen nach ihm zu suchen. Ich fand die "Sneakerholics", ich fand den "Verband Botanischer Gärten" (ja, auch das ist eine Sneakergruppe). Mit der Zeit wurde ich in WhatsApp-Gruppen eingeladen, es fühlte sich an, als würde ich in einen erlesenen Kreis aufgenommen. Dort sah ich immer mehr Schuhe, die ich haben "musste", allerdings beschränkte sich meine Sammlung auf wenige Silhouetten. In erster Linie waren das Jordan I, III und IV, AirMax 1 oder AirMax 90 und Asics Gel Lyte 3.

Da ich mich nicht festlegen wollte, kamen zusätzlich spannende Marken wie Saucony, KangaRoos oder auch Diadora in mein Regal. Später dann auch die Marke "Sonra" des Sneaker-Gurus Hikmet Sugoer aus Berlin, zu der eine unglaublich familiäre Community gehört.

Air Jordan mit himmelblauem Touch.
Hans-Joachim Winckler

Ein weiterer "Boom-Faktor", vor allem für Jordan-Modelle, war die Dokumentation "The Last Dance" auf Netflix. Eine Biografie über das Leben von Michael Jordan, die noch während der Ausstrahlung, also über Nacht, den Wert mancher Jordan-Modelle und damit auch so mancher Sammlung auf ein Vielfaches steigen ließ. Soziale Medien haben mittlerweile immense Auswirkungen auf das Sneaker-Geschäft.

Ein Paar Schuhe für eine vier-stellige Summe

Mit der Zeit wächst die Summe, die man selbst bereit ist, für einen Schuh zu zahlen. Früher waren 300 Euro mein Maximum. Dabei blieb es nicht. Ich schwor mir, nie vierstellige Beträge auszugeben, was ich lange durchhielt, aber auch diese Marke fiel irgendwann. Manche Sammler verschulden sich sogar, um sich ihre "Grails" leisten zu können.

Pietro Mattina sammelt nicht eine bestimmte Brand, sondern verschiedene. 
Hans-Joachim Winckler

Zum Glück habe ich noch die Kontrolle. Manchmal verkaufe ich Schuhe, um mir neue Favoriten zu kaufen. In meinem Regal stehen knapp 200 Paar. Der Sneaker, für den ich am meisten Geld ausgegeben habe, ist gerade aus den USA auf dem Weg zu mir. Inklusive aller Gebühren und Kosten habe ich für ihn 1750 Euro bezahlt: ein Jordan 1 "Union" Blue Toe.

Erst der Schuh, dann das Outfit

Leider bleibt es nicht nur bei den Sneakers. Denn, was viele unterschätzen, zu einem gelungenen Outfit gehört natürlich auch die richtige und passende Kleidung. Dies sollte Hand in Hand gehen, Kardinalfehler dürfen natürlich nicht gemacht werden. So ist in Sneakerkreisen verpönt zu Nike Schuhen, Adidas Socken/Hosen zu tragen und umgekehrt.


Mehr aus dem coolen und feinen Leben Deiner Lieblingsstadt findest Du in unserem Ressort feine Stadt.


Auch hier haben sich einige große und kleine Marken als Trendsetter aufgetan, die auf den Straßen dieser Welt cool und hipp sind. Für mich sind derzeit die Skater Marken „Stüssy“, „Parra“ aber auch „Patta“ häufiger in meinem Schrank zu finden. Wenn man dann noch etwas tiefer in die Taschen greifen will, kommt an Marken wie „Stone Island“, „Palm Angels“ oder auch „Kenzo“ kaum vorbei.

Gemeinsam auf der größten Sneakermesse Europas

Was kommt als nächstes? Ich freue mich derzeit tierisch auf meine erste Sneakermesse seit Jahren. Aufgrund von Corona wurde alles in der Richtung kategorisch abgesagt und alles wurde in der Regel online abgewickelt. Ich hab mir letzte Woche die Eintrittskarten zur „Sneakerness“ in Amsterdam gekauft, sowie Flugtickets und Hotelzimmer gebucht.

Die „Sneakerness“ ist wohl die größte Sneakermesse in Europa und wird zu „normalen“ Zeiten in verschiedenen Großstädten abgehalten (Zürich, Paris, Köln, Mailand, etc.). Ich freu mich hier immer wieder meine Sneakerfreunde aus aller Welt von Angesicht zu Angesicht zu treffen. Ansonsten kommunizieren wir leider nur virtuell miteinander.

fein leben
14.09.2021, 14:35 Uhr

Wissen zum Angeben: Der Sneakerhype

Pietro Mattina