Dabei ist die Maske fast immer - doch inzwischen nicht immer mehr vor Mund uns Nase. Diejenigen, die sie noch in Geschäften oder dem ÖPNV tragen, werden komisch angeschaut. Warum dieser soziale Druck, sie auch wegzulassen?!
© Marijan Murat, dpa
fein leben
19.09.2022, 14:50 Uhr

Hand aufs Herz: Was soll der soziale Druck, weil ich Maske trage?

Maske zu tragen ist inzwischen und aktuell nicht mehr Pflicht, sondern Kür - an den meisten Orten zumindest. Doch auch, wenn in den Nahverkehrsmitteln noch Auflage ist, Mund und Nase zu bedecken, halten sich nicht mehr allzu viele Menschen daran und gucken diejenigen, die ihre Gesicht bedecken, schräg an. Eine komische Form von sozialem Druck. Und das im beginnenden Herbst und mit stark ansteigenden Inzidenzwerten. Mit oder ohne Maske - dazu hat Autorin Andrea eine dezidierte Meinung.

Ich trage immer und überall Maske - auch, wenn mich meine Mitmenschen im Bio-Markt oder in der U-Bahn-Station anschauen, als würde ich entweder die Pest oder Corona oder beides gleichzeitig mit mir herumschleppen. Ich habe auch nie aufgehört nach den Lockerungen im frühen Sommer. Für mich war klar: Diese Pandemie ist noch nicht vorbei - auch, wenn Normalität und das Leben zurückkehren. Zu intensiv und einschränkend habe ich die vergangene Zeit empfunden - zu sehr wurde das Leben eingeschränkt - als, dass sich jetzt alles einfach mal so über den Sommer in Luft auflösen könnte.

Und außerdem tut es mir nicht weh und es stört mich nur minimal, wenn ich mit ner FFP2 im Gesicht unterwegs bin. Es geht ja nach wie vor nicht nur um mich, sondern um meine Mitmenschen, solche, die besonderen Schutz brauchen - und man sieht eben dem jungen Mann beim Bäcker in der Schlange vor einem nicht an, ob er chronisch krank und damit besonders schutzbedürftig ist. Und: Nur weil ich keine Symptome zeige, kann ich dennoch meine Eltern oder Großeltern infizieren.

Ich hab keinen Bock auf merkwürdige Blicke, weil ich meine Maske schon aufziehe, bevor ich die Wohnung verlasse. Ich hab einfach keinen Bock auf eine Infektion oder darauf, andere anzustecken. Ich empfinde es als wichtig, aufeinander zu achten, wenn wir als Gesellschaft funktionieren wollen.
Andrea Munkert

Klar, ist das Leben schöner ohne Maske, aber ich fühle mich geschützter mit ihr. Offenbar bin ich eine der wenigen Menschen, die es noch pflegen, die Maske in öffentlichen Räumen über Mund und Nase zu ziehen. Doch ich will dafür nicht angeschaut werden, als wäre ich entweder Hypochonderin, überängstlich oder eine Superspreaderin. Diese bösartigen oder vielleicht auch verunsicherten Blicke meiner Mitmenschen, wenn sie mundschutzfrei auf mich zu laufen - und dann schnell versuchen, einen deutlichen großen Bogen um mich herum zu ziehen, verstehe ich nicht - und ich finde sie auch sehr übergriffig. Oder Dich ansehen, überdeutlich den Kopf schütteln oder die Augen verdrehen. Ich werde mich trotzdem nicht davon abbringen lassen - und die Maske weiterhin bei jeder Gelegenheit aufsetzen. Bäm.

Leben und leben lassen

Ich will derartigen sozialen Druck nicht spüren, was soll das denn? Ich bin ein freier Mensch und kann Entscheidungen so treffen, dass sie mir gut passen, nicht meiner Umwelt. Oder dem Passanten X in der Königstraße. Ich bin für mich verantwortlich - und das kann ich ebenso handhaben, wie es mir gefällt. Welches Recht nehmen sich Menschen heraus, das zu beurteilen? Ich spucke ja auch nicht durch die Lande, weil in der U-Bahn nur ein Drittel der Menschen sich an die Pflicht hält, einen Mund-Nasen-Schutz aufzusetzen. Das kann ich ja genauso unverschämt bei meinem Gegenüber abstellen. Oder den Kopf schütteln über soviel Ignoranz, oder? Ist ja nicht so, als hätten wir nicht schon seit August steigende Inzidenzwerte.

Schade, denn eigentlich sollten wir alle über die vergangenen zwei Jahre gelernt haben, dass es um eine Mitverantwortung um die Gesellschaft geht. Klar, viele waren inzwischen infiziert und hatten (vermutlich auch wegen der Maske und der Impfung) nur einen milden Verlauf. Wir alle werden uns aber auch einig sein, dass so eine Infektion für normal gesunde Menschen schon kein absolutes Zuckerschlecken war.

Wie muss das dann für jemanden sein, der vorbelastet und besonders schutzbedürftig ist?! Er oder sie sollten wissen, dass Gesellschaft ihn oder sie beachtet und durch das Tragen einer Maske - auch, wenn durch die Regierung nicht mehr vorgeschrieben - beiträgt, dass die Viren nicht allzu leichtes Spiel haben.

Lange nicht geglaubt

Ja, ich gebe zu: Früher habe ich Asiat:innen immer belächelt und für übervorsichtig gehalten, wenn sie als Touris in Nürnberg mit Maske unterwegs waren (natürlich lange vor Corona) - heute fühl ich das voll. Mir ist wohler, wenn ich mich durch dieses Stück Plastik mit Stoff vor Viren (und praktischer Weise auch vor komischen Gerüchen) abschirmen kann. Ich habe für mich gelernt, dass Schutz - vielleicht nicht zu 100 Prozent - ganz einfach geht. Und warum sollte ich dann poltern und zwanghaft dagegen stellen?

Seit dem frühen Sommer berät die Politik ja auch schon über Maßnahmen für den Corona-Herbst, in dem wir uns nun befinden. Viele Regelungen sind wieder da - zum Beispiel das Tragen einer FFP2- oder medizinischen Maske in öffentlichen (Fern-) Verkehrsmitteln sowie in Praxen und Pflegeeinrichtungen. Auch Tests werden wieder zu unserem Leben dazu gehören, ebenso die Auseinandersetzung mit einem weiteren Booster, der langsam aber sicher in den Arztpraxen der Stadt verfügbar wird. Corona ist nicht rum. Und ich bin froh, dass ich es - vermutlich wegen getragener Masken - nur einmal bislang und nicht zwei Mal hatte.


Lohnt sich eine Corona-Auffrischungsimpfung?

fein leben
15.09.2022, 13:20 Uhr

Wann brauche ich die nächste Impfung? Alles, was Du über den zweiten Booster wissen musst

Das musst Du in Sachen Corona diesen Herbst beachten

fein leben
14.09.2022, 13:19 Uhr

Corona-Regeln in Bayern: Das gilt ab Oktober

Andrea Munkert