Mitten im Weg: Viele Fußgäner:innen sind in Nürnberg und anderen Kommunen der Republik genervt, weil E-Scooter die Wege versperren. 
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feine Stadt
fein leben
03.10.2022, 11:32 Uhr

Hand aufs Herz: Warum diese Mühe, E-Scooter so wild abzustellen?

Na, auch schon mal über einen E-Scooter in Nürnbergs Straßen gestoplert? Mir ist das ja bereits passiert - und das ist auch gar nicht verwunderlich. Denn überall in den Gassen und Straßen, auf Wegen und in Hecken fliegen sie herum. Warum - fragt fein raus-Redakteurin Andrea - machen sich Menschen die Mühe, die Scooter an möglichst wilden Plätzen zu platzieren? Hand aufs Herz: Muss das so sein, ich mein, im Sinne der Allgemeinheit?

Tausende von Miet-E-Scootern stehen, liegen, fliegen an und auf Nürnbergs Gehwegen herum und nerven. Manche quer und mitten auf Gehsteigen, so dass alle Passant:innen entweder darüber steigen oder die Straßenseite wechseln müssen, weil schier kein Vorbeikommen für sie ist. Andere E-Scooter entdecke ich inmitten von Hecken, so als hätte jemand die Baumstraße als Ersatz für den Ständer der Dinger verwendet. Manche versenken sie an den Auen rund um die Bärenschanze oder Gostenhof in der Pegnitz, wieder andere liegen auf Hausdächern (wie auch immer das easy ging?!) oder sind feinsäuberlich geparkt zwischen den Papiermülltonnen auf Privatgelände. Ich bin davon irritiert. Man könnte es auch als "genervt" bezeichnen.

Klar ist: Auf der einen Seite bereichern die Scooter die Verkehrswende, bringen mehr Mobilität für alle in der Stadt, sind eine Alternative für den immer teurer werdenden ÖPNV - und für diejenigen, die schnell ein Transportmittel von A nach B suchen, eine schnell greifbare Lösung. Doch: Für viele Fußgänger:innen, gerade solche mit körperlichen Beeinträchtigungen, sind sie ein Ärgernis – und für die Stadt, die Kommune, eine ungelöste Aufgabe.

Die Stadt Nürnberg will deswegen ab kommendem Jahr mehr regulieren und Parkzonen ausweisen. Denn nicht nur uns Bürger:innen nervt das wilde Abstellen und Hinterlassen der Scooter. Ab Frühjahr/Frühsommer 2023 reguliert die Stadt, wo geparkt werden darf und wie viele Roller erlaubt sind. Die Zahl der Anbieter soll außerdem sinken, sagt der Nürnberger Baureferent Daniel Ulrich. Möglich wird das für die Kommunen, weil ein Gerichtsurteil aus Nordrhein-Westfalen E-Scooter als "Sondernutzung" eingestuft hat und nicht mehr als "Gemeingebrauch".

Auch tauchen immer wieder E-Scooter in Gewässern auf. 
Ralf-Jürgen Thurn, NN

Endlich ein Reglement

Yeah, finde ich. Denn wie oft bin ich bereits vollgepackt vom Supermarkt nach Hause gestapft und musste mich dann, gefühlt tonnenschwer und von Zehe bis Scheitel bepackt, um einen wild blinkenden und wild blockierenden Scooter lavieren.

Gegenüber des Hauses, in dem ich lebe, geht eine Treppe zu der Eingangstüre eines Fitnessstudios. Am Ende der Treppe ist ein großes Podest - nachts, wenn ich die Rollos herunterlasse, wundere ich mich immer über die grüne Blinken. Dann muss ich grinsen: Denn - wer in aller Welt macht sich die Mühe und hievt die doch nicht allzu federleichten Roller diese Treppe hoch?! Und vor allem: Warum? Machen das die Nutzer:innen, weil sie schlichtweg besoffen und witzig drauf sind? Ist das vielleicht eine geheime Challenge - nach dem Motto: Wer einen Scooter an der geilsten und unerreichbarsten Stelle besonders wild hinterlässt, bekommt einen Kasten Bier oder freien Eintritt im Club? Oder sind die Menschen schlichtweg einfach faul und lassen das Ding fallen, sobald ihre gebuchte Zeit abgelaufen ist?

Frage: Machen sie das daheim genauso? Einfach hinwerfen, besonders stilvoll, und liegen lassen, bis sich jemand darum kümmert? I don't know. Und ich verstehe es nicht. Das fängt mich in einer Mischung aus Erheiterung wegen so vieler spannender Abstellmöglichkeiten und einem Angefressensein wegen so offensichtlicher Rücksichtslosigkeit anderen gegenüber. Seien es die Passant:innen oder auch andere Nutzer:innen, die den Roller erst aus der Hecke ziehen müssen, um ihn verwenden zu können. Beides nicht besonders nett, finde ich.

Nachts kann es noch gefährlicher werden - wenn man beschwipst nach Hause stapft und vor lauter Bierlaune den Scooter im Weg nicht sieht.
Andrea Munkert

Offenbar bin ich mit meinem Unverständnis nicht alleine. Bis Mitte 2023 soll es Parkzonen in der Nürnberger Altstadt und der restlichen Innenstadt geben, in denen die E-Scooter abgestellt werden müssen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Irgendwo abstellen auf einem Gehweg, im See, in der Hecke oder verhakt ineinander halb auf der Straße geht dann nicht mehr. Wer sich nicht daran hält, dessen Roller lässt sich nach Fahrtende nicht mehr mit der App abmelden, die Zeit läuft weiter und das kann richtig teuer werden, sagt Baureferent Daniel Ulrich. Jenseits dieser beiden Zonen, können die Roller aber nach wie vor so abgestellt werden wie bisher. Immerhin: In der Innenstadt wird es dann gemeinschaftsfeundlicher zugehen. Der Rest der Stadt muss dennoch die Scooter-Hürden im Alltag erklimmen. Doch zumindest ist ein Anfang gemacht. Und wer weiß, vielleicht lassen sich ja die Nutzer:innen von den Vorlagen in der Altstadt beeindrucken - und tragen das saubere Abstellen der E-Roller in andere Ecken Nürnbergs. Das wäre doch mal ein cooler Domino-Effekt.


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