Queere Demonstration für LGBTQ+ Sichtbarkeit und Akzeptanz.
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fein leben
22.11.2022, 14:26 Uhr

Hand aufs Herz: Transfeindlichkeit nimmt trotz mehr Repräsentation zu

Erst am Totensonntag gab es wieder einen Angriff auf einen LGBTQ+-Club. Im Bundesstaat Colorado in den USA sind 5 Menschen bei einer Schießerei in einem Schwulenclub ums Leben gekommen. Die Veranstaltung am 20. November war anlässlich des „Transgender Day of Remembrance“, einem Tag der den Opfern von Transfeindlichkeit gedenken soll. Und dies ist erschreckenderweise nur eine der vielen trans- und homophoben Attacken gewesen, die in diesem Jahr passiert sind. Let's talk about it, findet unsere Autorin Mona. Zeit für "Hand aufs Herz".

Straftaten steigen trotz erhöhter Sichtbarkeit

Das Motto des Nürnberger und Erlanger CSDs lautete dieses Jahr "Sichtbarkeit schafft Sicherheit". Und man würde denken, dass mit den vielen CSDs, LGBTQ+ Clubs und Organisationen die Akzeptanz und das Verständnis der Menschen steigen würde. Aber das ist leider nur bedingt der Fall. Denn die Straftaten gegenüber LGBTQ+ Mitgliedern gehen immer noch in die Höhe.

2022 gab es laut der "Anti-LGBTQ+ Hate Crime Data" in den USA die höchste Anzahl an Gewaltverbrechen gegenüber der queeren Community seit 1990. Und vergangenes Wochenende kamen wieder 5 Tote und 25 Verletzte dazu.

So äußert sich Transphobie

Transsexuelle Menschen erleben die höchste Diskriminierungsrate pro Kopf innerhalb der LGBTQ+-Community. Die Ausgrenzung aufgrund der Geschlechtsidentität einer Person kann sich auf deren Bildung, Unterkunft, Beschäftigung, Gesundheit und sogar die medizinische Versorgung auswirken. Ergebnissen der Sinus-Studie 2008 der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zeigen, dass diese Feindlichkeit oft durch Unwissen und Vorurteile entsteht.

Die Zahlen des "Trans Murder Monitoring" zeigen, dass es zwischen dem 1. Oktober 2021 und dem 30. September 2022 weltweit 327 Morde an trans, nichtbinären und gender-nonkonformen Personen gab, die nachgewiesen werden konnten. Deutschland wird mit dem tragischen Angriff auf Malte C. beim CSD Münster im September 2022 aufgeführt.

Zudem wurde in Deutschland 2022 ein Transmädchen in Herne von drei 12-13 jährigen Jungen angegriffen und auch eine Transfrau in Bremen wurde von Minderjährigen attackiert. Und das ist nur ein Bruchteil der Gewalttaten in Deutschland. Das zeigt, dass wir unbedingt mehr Aufklärung über LGBTQ+-Themen und Transsexualität in Schulen und Bildungseinrichtungen brauchen.

Tag der Erinnerung an die Opfer von Trans*feindlichkeit

Am 20. November ist jährlicher Gedenktag für die Opfer transphober Gewalttaten. Anlässlich des immer noch ungeklärten Mordes an der afro-amerikanischen Trans-Frau Rita Hester fand er im November 1998 zum ersten Mal statt. Auch in Deutschland gibt es Organisationen und Einzelpersonen, die Aktionen zum Gedenktag veranstalten.

Es ist wichtig, über die vielen Leben zu reden, die durch Transfeindlichkeit genommen wurden, denn nur so können wir in Zukunft Leben beschützen. Wir müssen uns zusammenschließen im Kampf gegen die Diskriminierung der LGBTQ+- Community.

Was kannst Du tun?

Sei ein Safe-Space für die Queer-Community. Auch wenn Du Dich nicht als Teil der Community identifiziert, ist es wichtig, Stellung zu nehmen. Du kannst CSDs und andere LGBTQ+-Veranstaltungen besuchen, um Dich zu informieren und für die queere Community zu demonstrieren. Außerdem ist es wichtig immer ein offenes Ohr für Deine queeren Freund:innen und Mitmenschen zu haben.

Wenn Du im Alltag queer-feindliches Verhalten beobachtest, solltest Du auf jeden Fall einschreiten. Auf größeren Veranstaltungen wie "Rock im Park" gibt es auch Awareness-Teams an die Du Dich wenden kannst. Außerdem gibt es eine Nürnberger Gruppe, die ebenfalls ein Awareness-Team gegründet hat. Sie gehen zu verschiedenen Clubs und Veranstaltungen unter anderem im Stellwerk, im Heizhaus und im Z-Bau um Dir als Ansprechpartner:innen zusätzliche Sicherheit zu gewähren.

Du brauchst Hilfe?

Das queere Zentrum Nürnberg Fliederlich e. V. in der Sandstraße 1 in 90443 Nürnberg berät Dich in allen Bereichen des queeren Lebens. Du kannst sie unter der Telefonnummer (0911) 42 34 57 0 oder per Email an verein@fliederlich.de erreichen.


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Mona Carl