Ein Viertel in Bewegung - ein Streifzug durch Gostenhof. 
© Andreas Franke
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Ein Viertel in Bewegung - Gostenhof und was Du dort unternehmen kannst

Auf sämtlichen Portalen wird stets ein Stadtteil unter die Top drei der beliebtesten in Nürnberg gewählt: Gostenhof. Meist noch mit Schlagworten versehen wie "multi-kulti", "bunt", "Künstler-Viertel" und "studentisch". Und dann scrollt man ein bisschen weiter durch dieses Internet und stößt auf "Nürnberger Bronx" oder "Scherbenviertel". Wir nehmen Dich mit auf einen Streifzug durch dieses Stadtteil voller Gegensätze, voller Kultur und voller Bewegung.

Treiben lassen in den Straßen Gostenhofs

So, und jetzt zu allererst einmal: tief ein- und ausatmen. Ganz bewusst. Jede Ecke der Stadt hat ja ihren eigenen Geruch, ist Dir das schon einmal aufgefallen? Und dann los. Die Austraße entlang, zum Beispiel. Auf der einen Seite läufst Du dann zwar am Rangierbahnhof vorbei, das ist nicht unbedingt "schön", aber es ist eben, wie es ist. Das passt zu Gostenhof. Oder Du läufst einfach drauflos querfeldein, zwischen den Sandstein-Jugendstilfassaden hindurch, irgendwo ankommen tut man ja immer. Und tatsächlich geht es hier ja mehr um den Weg als um das Ziel: Gostenhof ist ein Stadtteil voller Bewegung. Es knirscht manchmal und quietscht und funktioniert nie ohne Reibung, aber etwas bewegt sich immer hier in Nürnbergs Westen, der irgendwo rangiert zwischen dem "Scherbenviertel" und dem "Hipster-GoHo". Gentrifizierung ist kein unterkomplexer Begriff, über dessen Definition andere schon Bücher geschrieben haben, aber dass sich das Gostenhof-Image in den letzten Jahren und Jahrzehnten gewandelt hat, und mit diesem Wandel zum Beispiel Altbauten luxussaniert worden sind und folglich die Mietpreise in die Höhe schießen, lässt sich nicht leugnen. Wenn Du aufmerksam durch Gostenhof spazierst, fällt Dir dieses Thema immer und immer wieder vor die Füße. Nicht zuletzt durch die Tags, die Graffitis, die Sprayereien und Sticker an Häuserfassaden, Stromkästen, Straßenlaternen. Wem gehört dieser öffentliche Raum? Und wer muss ihn sich (zurück-)erobern? Wer wird dort sichtbar?

Wem gehört der öffentliche Raum? An einer Mauer in der Adam-Klein-Straße in Gostenhof plädieren lila Lettern zum 8. März für eine Welt ohne Sexismus. 
Eduard Weigert

Plätze Gostenhofs besuchen

Eine Sache musst Du als (Wahl-)Nürnberger:in einfach irgendwann mal gemacht haben, wenn dieser wichtige Ort deutscher Geschichte doch schon vor der Haustür steht: Dem Justizpalast und insbesondere dem Saal 600 einen Besuch abstatten (Fürther Straße 110). Gerade jetzt, wo sich die Nürnberger Prozesse eben erst zum 75. Mal jährten. Neben den üblichen Führungen gibt es deshalb aktuell auch noch die Ausstellung "Gesprayt" zu sehen, in dem Schüler:innen der Scharrer-Mittelschule ihre Beschäftigung mit der Thematik künstlerisch umsetzten. Und das Staatstheater hat ein Dokumentartheaterstück für den Saal 600 entwickelt, das allerdings momentan pandemiebedingt nicht aufgeführt wird. Sobald sich daran etwas ändert, erfährst Du das wohl am ehesten hier.

Für alle, die sich noch tiefer in die Geschichte graben wollen: Der Verein Geschichte für alle e.V. bietet auch extra Stadtteilführungen durch Gostenhof an, mit einem Schwerpunkt auf dessen historischen Wandlungen. Weitere Informationen findest Du hier.

Ebenfalls sehr geschichtsträchtig, wenn auch zugebenermaßen nicht von ganz so weitreichender Bedeutung, wie das Memorium, ist das Volksbad am Rande von Gostenhof (Rothenburger Str. 10). Ein Gebäude, an dem jede Menge nostalgischer Erinnerungen kleben ("Jaja, wir hatten ja nur ein kaputtes Gemeinschaftsbad damals, und da habe ich mich immer im Volksbad geduscht in meiner Studentenzeit!"...) und über dessen Nutzung wirklich sehr, sehr viel diskutiert worden ist in den letzten Jahren. Nun steht aber fest: Das Volksbad soll "revitalisiert" werden. Im Herbst vergangenen Jahres startete das auf 30 Monate angesetzte Bauprojekt, weshalb Du Dir das Bad gerade nicht vor Ort von innen ansehen kann. Allerdings ist das Volksbad so eine Geschichtenumwobene Institution in Nürnberg, dass es sich schon rentiert, es mal von außen zu betrachten. Und eine virtuelle Tour im Inneren des Bades und aktuelle Infos zum Stand der Dinge auf der Baustelle gibt es hier.

Nicht weit vom Volksbad entfernt ist das Nikolaus-Copernicus-Planetarium. Gerade auch mit Kindern ist das ein Ort (Am Plärrer 41), zu dem sich ein Ausflug wirklich lohnt. Im Februar ist dort zum Beispiel die Vortragsreihe "Vom Reiz der Sinne - Wahrnehmung und Gehirn" mitzuerleben. Und für die kleinen Besucher:innen gibt es Themenshows, zum Beispiel zu Peterchens Mondfahrt oder Astronomie-Workshops.

Eine Sache aber steht fest: Du kannst nicht in Gostenhof gewesen sein, ohne einmal das Gostner besucht und danach noch gemütlich einen Absacker im Loft getrunken zu haben. Das kleine Indie-Theater gibt es mittlerweile schon seit 43 Jahren, romantisch in Weinreben eingewachsen in der Austraße 70. Aktuell auf dem Programm: Sophokles' Tragödie Antigone. Weitere Informationen findet ihr hier.

Kein Gostenhof-Besuch ohne Abstecher ins Gostner. Derzeit zu sehen: Antigone. 
Gostner

Pausieren in Gostenhofer Parks

Durchatmen lässt es sich sehr gut an einem der grünen Fleckchen in Gostenhof: Am Jamnitzerplatz, der Veit-Stoß-Anlage oder natürlich im Rosenaupark. In letzterem ist vor allem auch der Spielplatz sehr zu empfehlen. Oder aber Du setzt Dich an die Pegnitzauen. Da kannst Du sogar Outdoor-Sport machen, picknicken (nur die Harten kommen in den Garten!) oder Dir auch einfach den Frust von der Seele schaukeln. Das funktioniert dort wirklich ausgesprochen gut!


Übrigens: Mehr über das junge und bunte Leben in Nürnberg, Fürth und Erlangen findest Du in unserem Ressort feine Stadt und in unserer kostenlosen App für Android und iOs.


Durchatmen im Grünen: Der Rosenaupark eignet sich gut zum Pausieren. 
Eduard Weigert

Vermissen / Vorfreuen auf Feste in GoHo

Gostenhof ist ein Stadtteil der Vielfalt - was die Menschen betrifft, die hier leben, aber auch was das kulturelle Angebot angeht. Das geht schon los in der MuZ (Fürther Str. 63), in der (wenn Corona es zulässt) die lokale Musikszene Unterstützung und eine Bühne findet.

Oder dem Brückenfestival unter der Theodor-Heuss-Brücke. In diesem komplett ehrenamtlich organisierten Umsonst und Draußen - Festival werden vor allem Musiker:innen und Kulturformate jenseits des Mainstream präsentiert.

Musikalisch ganz anders, aber auch umsonst und draußen und ein sehr schönes Erlebnis kann das Klassik-Open-Air in Gostenhof sein, das sehr ähnlich funktioniert wie die große Schwester im Luitpoldhain: Du schnappst Dir Deine Picknick-Decke, setzt Dich mit deinen Leuten, einem Glas Oliven und einer Flasche Wein ins Gras der Veit-Stoß-Anlage und lauschst dem Liebhaber-Orchester Collegium Musicum.

Und dann gibt es da natürlich noch die Gostenhofer Atelier- und Werkstatttage. Alle zwei Jahre öffnen Künstler:innen ihre Türen und stellen in ihren Werkstätten, Hinterhöfen und Wohnzimmern ihre Artefakte aus. Und in Gostenhof bedeutet das, dass es wirklich geschätzt in jedem zweiten Haus ein Atelier oder eine Werkstatt oder einen kleinen Ausstellungsraum gibt. Sehr inspirierend und jedes Mal wieder eine ziemlich coole Stimmung!

Engagieren in Gostenhof

Wenn Du Dich gerne engagieren oder aktiv das Stadt(teil)leben mitgestalten möchtest, dann gibt es in Gostenhof eine Menge Möglichkeiten für Dich.

Im Nachbarschaftshaus Gostenhof (Adam-Klein-Straße 6) kannst Du entweder auf einen Verein oder eine Gruppe treffen, für den oder die Du Dich engagieren möchtest. Du kannst an einem Kurs teilnehmen, oder selbst einen initiieren. Außerdem findest Du dort immer ein offenes Ohr. Was es schon alles gibt und welche Veranstaltungen demnächst geplant sind, erfährst Du hier.

Und auch das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum hat in Gostenhof seinen Sitz (Denisstraße 25). Nicht nur, aber vor allem Frauen und Mädchen mit Migrationsgeschichte finden hier einen Ort zur Hausaufgabenbetreuung, Sprachkursen, Beratung. Weitere Informationen findest Du hier.

Einkaufen in GoHo

Gostenhof gilt als Szene-Viertel, und vielleicht ist auch das ein Grund, warum hier so viele kreative Einzelhändler:innen sind, die sich vor allem den Künsten verschrieben haben. In der Fachmarie (Fürther Straße 50) bekommst Du sehr hübschen Krimskrams, von Badezeugs, über Papeterie-Artikel bis hin zu Kinderklamotten, Schmuck und Trinkflaschen. Die meisten Sachen sind dabei aus Nürnberg und von lokalen Künstler:innen selbst designt. Im Goldkind (Austraße 26) gibt es mit Kleidung, Taufketten, Kuscheltieren und vielem mehr alles für den Nachwuchs, Bambiboom (Glockendonstraße 18) hat faire und kreative Mode für Dich und Jojo Music (Kernstraße 24-30) verkauft Instrumente.

Außerdem findest Du hier eine Vintys-Filliale (Fürther Straße 74), in der Du preiswert Seconhand-Mode für einen guten Zweck shoppen kannst, und einen Unverpacktladen "Zero Hero" (Obere Kanalstraße 11A).

Und noch ein Geheimtipp: Besonders viel Freude macht es, um die Mittagszeit herum im Aldi gegenüber des Dürer-Gymnasiums und nicht weit weg von der Johann-Daniel-Preißler-Mittelschule einkaufen zu gehen. Da decken sich die Schüler:innen nämlich gerade mit ihrer Vesper für die Mittagspause ein, und die Gesprächsfetzen, die da so durch die Supermarktgänge wehen, können unschlagbar unterhaltsam sein und die Stimmung in zwischen Blumenkohl und passierten Tomaten erheblich steigern.

Irene Senger, Inhaberin der Fachmarie in der Fürther Straße, hat einen Sinn für Besonderes. In ihrem Laden vereint sie die Artikel vieler kreativer Menschen aus Stadt und Stadtumkreis.
Günter Distler

Einkehren: Hier findest Du günstige Mittagsangebote in Gostenhof:

Den Samstag verbringen: Wir nehmen Dich mit auf eine Samstagstour durch Gostenhof:

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Deine Samstagstour durch Nürnberg-Gostenhof

Und weitergehts mit einer Tour durch St. Johannis und die Nordstadt:

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Samstagstour durch die Nordstadt und Johannis

Bernadette Rauscher