Arielle: Die Meerjungfrau wird im neuen Disney-Remake von Halle Bailey gespielt.
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fein leben
15.09.2022, 13:09 Uhr

Disney-Remake: Wie die Schwarze Arielle eine Rassismus-Debatte entfacht

Endlich ist es soweit: Der neue Trailer zum Live-Action-Remake "Arielle, die Meerjungfrau" ist veröffentlicht. Bereits nach der Ankündigung 2019, dass Halle Bailey, eine junge Schwarze Schauspielerin, die neue Hauptfigur spielen sollte, gab es die ersten Proteste und eine Bandbreite an positiven und negativen Reaktionen. Hashtags wie #NotMyArielle verbreiteten sich im Internet - durch nicht zuletzt rassistische Beweggründe. Eine Schwarze Schauspielerin als Arielle - wo gibt's denn sowas?

"Arielle: Die Meerjungfrau" ist in der Disney-Version weiß. Viele Menschen haben den Film in ihrer Kindheit gesehen, kennen die Meerjungfrau mit den blau-grünen Augen, roten Haaren und der weißen Haut. Und manche scheinen der Ansicht zu sein, diese Darstellung sei in Stein gemeißelt. Ist sie aber nicht.

Eine fiktive Figur

Arielle ist eine fiktive Figur, erschaffen von Hans Christian Andersen 1837 in den "lille havfrue" und verfilmt von der Walt Disney Company im Jahre 1989. Und damals war sie weiß. Ihr besonderes Merkmal: Der lange Fisch-Schwanz - schließlich ist sie eine Meerjungfrau. Wer heutzutage noch darauf pocht, dass fiktive Figuren, die in der Vergangenheit als weiß gelabelt wurden, nicht divers sein dürfen, der sollte sich einmal überlegen, woher dieser Widerstand kommt.

Dass manche Menschen sich mit Diversität in Fantasy-Filmen nicht wohl fühlen, zeigt nicht zuletzt das Negativ-Review-Bombing der neuen Serie "Ringe der Macht". Review-Bombing ist eine organisierte massenhafte Negativ-Bewertung von Filmen oder Serien auf Online-Plattformen, wie etwa Rotten Tomatoes oder IMDB. Auch hier schien das Problem für viele Betrachter:innen die Diversität der Hauptfiguren der Serie zu sein. Amazon schaltete daraufhin die Bewertungen auf Amazon Prime ab. Auch YouTube entschloss sich die Dislikes für den neuen Trailer zum Arielle-Remake auszuschalten, nachdem dieser innerhalb von zwei Tagen 1.5 Millionen Thumbs-Downs erhielt.

Und da fragt man sich doch: Haben die Leute nichts Besseres zu tun?! Auf Review-Bombing dürfen wir uns wohl auch nach der Veröffentlichung von "Arielle: Die Meerjungfrau" gefasst machen.

Eine Welt frei von Rassismus ist anscheinend genauso fiktiv, wie eine Welt, in der Meerjungfrauen leben

Argumente wie, dass Arielle weiß sein müsse, sie könne schließlich unter dem Meer kein Melanin produzieren, sind hinfällig, denn, Überraschung: Wäre es wie in unserer Welt, dann könnte sie unter Wasser auch nicht atmen (vor allem, da sie keine Kiemen hat) und hätte auch keinen Fischschwanz. Ihre Haare würden nicht elegant im Wasser schweben und perfekt sitzen, wenn sie hervortaucht. Und die Krabbe Sebastian würde kaum Teil eines Hofstaats sein. "Arielle, die Meerjungfrau" ist, wie bereits gesagt, ein fiktiver Charakter. In der Original-Story ist ihre Hautfarbe kein Hauptthema und so wird es voraussichtlich auch im Remake gehandhabt werden. Ja, Dänemark zu der Zeit war rassistisch, Schwarze Menschen wurden als Sklaven gehandelt und ein dänischer Prinz im 19. Jahrhundert hätte wohl keine schwarze Frau geheiratet. Doch warum kann diese Fantasy-Welt, in der es Meerjungfrauen gibt, nicht frei von Rassismus sein. Die Reaktionen auf den Trailer zeigen uns schließlich, dass eine Welt frei von Rassismus genauso fiktiv ist, wie eine Welt, in der Meerjungfrauen leben.

Repräsentation ist wichtig!

Diese Vorfälle zeigen nur, wie schwierig es noch immer für Schwarze Schauspieler:innen ist. Tatsächlich führt uns das Internet aber vor Augen, warum genau das so wichtig ist. Denn Repräsentation ist entscheidend für alle Kinder und Erwachsene. Und die Reaktionen in den Sozialen Medien, die kleine schwarze Mädchen zeigen, wie sie begeistert und gespannt auf den Bildschirm schauen und entdecken dürfen, dass die neue Disney-Prinzessin Schwarz ist und aussieht wie sie, das ist unbezahlbar und unbegreiflich schön.

@preciousavery I love this for my 3 years old 🤎 #littlemermaid #toddlersoftiktok #hallebailey #girlpower ♬ original sound - Precious & Emery

Weiße Kinder und Erwachsene haben viele Prinzen und Prinzessinnen, die so aussehen wie sie. Es gibt Held:innen und Elb:innen, mit denen sie sich identifizieren können. Und als Charaktere, wie Tiger Lily aus "Peter Pan", auf einmal von einer weißen Schauspielerin gespielt wurde und auf einmal nicht mehr Indigen war, erhoben sich keine lauten Stimmen dagegen. Oder als der japanische Cyborg in "Ghost in a Shell" von der amerikanischen Schauspielerin Scarlett Johansson gespielt wurde. Der Diversity-Report zeigt: Weiße Menschen sind sowohl vor als auch hinter der Kamera noch immer übermäßig vertreten und repräsentieren nicht die tatsächliche Diversität der Gesellschaft. Nur ganz langsam bewegt sich die Repräsentation in eine diversere Richtung. Kein Wunder auch, wenn sich jedes Mal Massen an Menschen echauffieren.

Und man wird nicht mit Rassismus geboren. Das zeigen die Videos von weißen Mädchen, die auch die neue Arielle einfach bezaubernd finden. Viele dieser Videos wurden von Müttern gepostet, die zeigen wollen, dass es vor allem Erwachsene mit eingeschränkter Sichtweise sind, die sich an dem Anblick der Schwarzen Arielle stören. Die Kinder freuen sich einfach auf einen Film mit einer wunderschönen Prinzessin.

@youniverseinyou #duet with @gscinemas #thelittlemermaid #littlemermaid #ariel #blindreact ♬ The Little Mermaid 2023 - GSC 🍿

Und der Film selbst?

Über den Film selbst lässt sich aus dem sehr kurzen Trailer noch gar nicht so viel sagen. Er behält wohl auch viele Elemente des originalen Disney-Films. So bleibt er ein Musical und auch die Geschichte wird wohl einen ähnlichen Verlauf nehmen. Aber es gibt auch einige Neuerungen - so wird die Möwe Scuttle von einer weiblichen Person besetzt und es gibt die Rolle der Königin Selina, die erst für das Remake entstand.

Was die Qualität des Filmes selbst angeht, sollte man erst nach der Veröffentlichung am 25. Mai 2023 tatsächlich etwas dazu sagen können. Ob der Film selbst gut oder schlecht ist, hängt schließlich nicht von der Hautfarbe seiner Darsteller:innen ab, sondern von deren Leistung, der Handlung, den Dialogen und so vielem mehr.


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