Das weiß grundierte Gesicht ist das Erkennungszeichen der Schwestern - hier auf dem CSD in Nürnberg 2022. 
© Stefan Hippel, NNZ
fein leben
20.11.2022, 10:28 Uhr

Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz: Safer Sex und queere Akzeptanz

Was hat es mit diesem Zungenbrecher auf sich? Die Schwestern der Perpetuellen Indulgenz (übertragen "Schwestern der ewigen Genusssucht") sind eine international tätige Gemeinschaft, die sich für HIV Prävention und die gesellschaftliche Gleichstellung von trans-, homo- und bisexuellen Menschen einsetzt. In München gibt es eine sogenannte Abtei der Schwestern, die auch in Nürnberg mit einer Mission vertreten ist und deren illustre Vertreter:innen Dir sicherlich vom CSD bekannt sind. Wir haben mit der Schwester Colora aus der Nürnberger Mission und der Schwester Theresia aus der Münchner Abtei geredet, um uns ein besseres Bild von ihrer Arbeit zu machen.

Das weiß grundierte Gesicht der Schwestern soll an den Tod durch Aids oder auch den sozialen Tod erinnern. Aber auch farbliche Akzente setzen sie mit Make-up, um das Leben und die Freude darzustellen. In den USA gegründet, setzen sie sich seit 1979 für die Gesundheit und Sicherheit der LGBTQ+ Community ein.

In ihrer ehrenamtlichen Arbeit verteilen sie Safer-Sex-Materialien und haben immer ein offenes Ohr für Deine Sorgen oder diverse Fragen. Außerdem sammeln sie Spenden, um Menschen mit Geschlechtskrankheiten wie HIV/AIDS zu helfen.

Die Schwestern auf dem CSD in Landshut 2022.
Ann-Marie Schilling

Die Gemeinschaft bezeichnet sich als "queere Nonnen des 21.Jahrhunderts" und in ihrem Auftreten verwenden sie zum einen Drag-Elemente und zum anderen satirische Symbole von religiösen Schwesternorden. Männliche Mitglieder werden als Gardist bezeichnet.

Die Strukturen sind ähnlich der geistlichen Ordenshäuser. Wenn sich eine Gemeinschaft an Schwestern zusammen gefunden hat, nennen sie sich eine Abtei oder ein Haus. "Wir möchten aber niemandem aus der Kirche auf die Füße treten.", erklärt Schwester Theresia.

Die Schwestern in Berlin beim internationalen Konklave 2016.
A. Eberl

In München gibt es eine Einrichtung, die SPI Bavaria. "Berliner Schwestern haben den CSD in München besucht und ich war auf der Suche nach einem Ehrenamt in der Schwulenszene.", schildert Schwester Theresia. "Also habe ich 2009 meine Ausbildung zur Schwester in München gemacht, und wurde 2010 zur ersten Schwester in München geweiht." Mittlerweile besteht die Münchner Abtei aus 15 Personen.

"Die Mission in Nürnberg wurde von einer anderen Schwester gegründet und sie hat die Mission schließlich an mich weitergegeben, da mein Wohnsitz in Nürnberg ist.", erzählt Schwester Colora aus Nürnberg.

Auch auf dem Nürnberger CSD sind die Schwestern häufig vertreten. Mit verschiedenen Events und Spendenaktionen versuchen sie Akzeptanz zu verbreiten, über Geschlechtskrankheiten und Verhütung aufzuklären und Freude zu übermitteln. Auch Safer-Sex-Workshops bieten sie an. "Man kann uns auch ab und zu in queeren Kneipen antreffen.", erzählt Schwester Colora.

"Da ich momentan das einzige aktive Mitglied der Mission Nürnberg bin, bin ich auch oft allein unterwegs. Manchmal suche ich mir die Events aus, die ich besuche, oft werden wir aber auch zu Events eingeladen.", berichtet die Schwester.

Außerdem wollen sie den Scham rundum Sexualität und Geschlechtskrankheiten herunterbrechen und tilgen. Wenn die Schwestern in der Gemeinschaft mit ihrer markanten Schminke und Ordenstracht irgendwo auftauchen, nennen sie das Manifestation.


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