Unsere Kollegin Hicran hat sich rangewagt - und eine Woche lang darauf geachtet, keinen Zucker - auch keinen versteckten - zu sich zu nehmen. Gar nicht so leicht, wie sich herausstellte.
© Hicran Songur
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08.01.2022, 10:46 Uhr

Die Challenge: Eine Woche ohne Zucker

„Meinen Tee trinke ich sowieso ungesüßt. Und ich koche doch tagtäglich frisch. Eine Woche ohne Zucker ist nichts, vielleicht sollte ich es auf einen Monat ausdehnen?“ – das waren meine Gedanken, bevor ich die Zero-Sugar-Challenge angetreten bin. Für mich bedeutete das: Eine Woche ohne Haushaltszucker, also ohne Zuckerwürfel, Süßigkeiten und Schokolade. Hört sich einfach an? Das dachte ich auch, bis ich die Zutatenlisten von den Lebensmitteln in meinen Schränken durchgelesen habe.

Eine Woche zuckerfrei? Ist doch überhaupt kein Problem - wäre da nicht der versteckte Zucker.
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Jede Menge Gründe, um Zucker zu konsumieren

„Versteckter Zucker“ ist mir durchaus ein Begriff. Dass Fertigsoßen und viele Backwaren Zucker enthalten, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Nur war mir nicht bewusst, wie oft ich zu Instant-Ramen greife und wie tatkräftig ich die lokale Gastronomie unterstütze. Props to me! Kein Wunder, dass ich mich in vielen Restaurants und Cafés zu Hause fühle. Was ich schon im Vorfeld wusste und was auch der Auslöser für diese Challenge war: Ich finde immer einen Anlass, um Zucker zu konsumieren. Müsli als schnelles Frühstück, Lebkuchen und Glühwein zur Weihnachtszeit, Eis bei heißem Sommerwetter (Ich bin ehrlich zu Dir: Eis geht auch gerne mal mitten im Winter), Baklava an Bayram und natürlich Torte an Geburtstagen. Ein Blick in meinen Kalender zeigt: Geburtstage von Freundinnen und Freunden, Kolleginnen und Kollegen und sämtlichen Familienmitgliedern bedeuten für mich mindestens 17 Stücke Torte im Jahr.

Ein Mokka ohne Zucker kommt nicht infrage. Selbst gemachte Energy-Balls aus Datteln, gemahlenen Mandeln und ungesüßtem Backkakao schaffen Abhilfe. 
Hicran Songur

So wie die meisten Diäten startete meine Zero-Sugar-Challenge an einem Montagmorgen. Das war zumindest der Plan. Die erste unerwartete Hürde überrumpelte mich nämlich schon am Frühstückstisch, denn: Toastbrot enthält Zucker, Cornflakes enthalten Zucker und Fruchtjoghurt ebenso. Nach einem Wocheneinkauf inklusive peniblem Studieren der Inhaltsstoffe konnte die Challenge starten. Neben vielen frischen Zutaten wanderte auch eine Trockenmischung für Falafel in meinem Einkaufswagen. Zu Hause angekommen, stand ich schon in der Küche und habe angefangen zu kochen.

Zum Glück schmecken Bowls auch ganz ohne Haushaltszucker. Normalerweise kommt eine Sweet-Chili-Sauce oder ein Honey-Mustard-Dressing obendrauf. Leider geht das während der Zero-Sugar-Challenge nicht. 
Hicran Songur

Stevia getarnt als Süßkraut

Mir war klar: Ganz ohne Süßes überstehe ich die Woche nicht, zumindest nicht glücklich. Zum Kaffee gab es dann selbst gemachte Energy-Balls aus Datteln, gemahlenen Mandeln und ungesüßtem Backkakao. Statt Wraps landeten am Texmex-Abend Tacos auf den Tellern. Und zu trinken gab es Eistee aus Teebeuteln, die ihr Aroma in kaltem Wasser entfalten. Die Zutatenliste der Teebeutel wirkte auf den ersten Blick zuckerfrei. Zucker, Saccharose, Glucose, Dextrose – keine der bekannten Zuckerbezeichnungen ist aufgelistet. Über die gesamte Woche habe ich gerne zu den Teebeuteln gegriffen, bis ich nachgelesen habe, was Süßkraut eigentlich ist: Steviolglycoside – also Stevia. Ein Süßungsmittel, das deutlich süßer als Haushaltszucker ist und gleichzeitig kaum Kalorien enthält. In meiner Challenge ging es um den Verzicht auf Saccharose, dennoch war ich überrascht, dass hinter Süßkraut ein Süßungsmittel steckt. Das Wort "Kraut" erweckt nämlich den Anschein von Kräutern, einem Gewächs, vielleicht sogar Gemüse. Ich wog mich in falscher Sicherheit und mir wurde bewusst, dass versteckter Zucker nicht nur chemische Verbindungen und komplizierte Namen in der Zutatenliste sind.

Die Zutatenliste wirkt clean - aber was bitteschön ist Süßkraut? Vielleicht kennst Du es unter dem Begriff Stevia. Das ist ein Süßungsmittel, das viel Süßer als Haushaltszucker schmeckt und kaum Kalorien hat. 
Hicran Songur

Das eigentliche Problem ereignete sich bereits am Dienstagabend. Nach einem langen Arbeitstag konnte ich der Simplizität eines Fertiggerichtes nicht widerstehen und habe zu meinen geliebten Instant-Ramen gegriffen. Damit sich das nicht wiederholt, habe ich mir einen Essensplan für die restliche Woche erstellt. Mit einer Ausnahme: Am Sonntagabend fand ein Abschiedsessen statt und während ich beim Bestellen meiner Tapas noch darauf geachtet habe, ob in den Gerichten Zucker enthalten ist, endete der Abend mit Cocktails und einem Radler.

Trotz Wochenplan: Die Challenge ist gescheitert. Auf die süßen Cocktails und den fruchtigen Radler konnte ich an einem gemeinsamen Abend mit FreundInnen nicht verzichten. 
Hicran Songur

Zuckerfrei wird die Zukunft nicht (ganz)

Die Challenge ist also gescheitert. Ich habe es nicht geschafft, eine Woche auf Haushaltszucker zu verzichten. Aber: Ich habe viel aus diesem Selbstversuch mitgenommen. Seitdem landen Instant-Ramen, Fertigmüsli und süße Fruchtaufstriche nicht mehr in meinem Einkaufswagen. Der Kaffee schmeckt mir mittlerweile auch ohne Zucker und ich muss im Dezember keinen Countdown in Form von Plätzchen starten, um bloß nicht zu vergessen, dass Heiligabend auch dieses Jahr am 24. Dezember ist. Zuckerfrei wird die Zukunft für mich ganz sicher nicht werden, aber dafür mit einem neuen Bewusstsein.
Wobei: Auf die Geburtstagstorte kann ich auch in diesem Jahr nicht verzichten. In meiner Familie, mittlerweile auch in meinem Freundeskreis, besteht die feste Überzeugung, dass der Wunsch des Geburtstagskindes erst in Erfüllung geht, wenn alle Gäste ein Stück von der Geburtstagstorte gegessen haben. Ob da etwas Wahres dran ist? Sicherlich nicht. Ob ich die Tradition beibehalten möchte? Auf jeden Fall!


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Hicran Songur