Maibock, Jahrgang 2019
© Andrea Munkert
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Der Maibock – ein Übergangsbier für den Frühling

Aktuell ist die Zeit für den Maibock! Doch was macht dieses saisonale Bier so besonders und wo hat es seinen Ursprung? Wir klären auf - Angeberwissen für das nächste Bier-Date.

In den Wintermonaten sind schwere und starke Biere beliebter und das zeigt sich auch im Saisonkalender. Diese sind alkoholhaltiger als die leichteren und fruchtigeren Biere des Sommers. Besonders in der Übergangszeit und zum Start des Frühlings ist der Maibock das ideale Bier.

Diese saisonale Bierspezialität wird auch heller Bock oder Frühlingsbock genannt - in seiner Färbung ist er heller als die anderen Bockbiere. Damit zeigt er auch das Ende des Winters an. Er wird nach der Fastenzeit ausgeschenkt, welche meist in und um den Mai fällt, und so ist auch der Name des Maibocks entstanden. Anschließend kommen die leichteren Biere wie Weizen, Pils oder Sommerbiere verstärkt in den Verkauf oder werden in den Gaststätten und Biergärten ausgeschenkt. Aber auch Mischgetränke wie Radler sind dann wieder gefragter. Der Maibock hat einen Alkoholanteil von 6,3 Prozent, während ein normales helles Bier um die 5 Prozent hat.

Maibock auf dem Tiergärtnertorplatz ist quasi Nürnberger Kulturgut. 
Andrea Munkert

Der Unterschied vom Maibock zu anderen süßlicheren Bocksorten wie dem Fastenbock ist, dass der Maibock herber schmeckt. Das liegt daran, dass er weniger malzig und weniger süß ist.

Im Juni ist der Maibock nicht mehr gefragt

Die Nürnberger Hausbrauerei Altstadthof braut zwei Sude zu je 15 Hektoliter Maibock. Das ist wenig, wenn man es mit den 1500 Hektoliter Jahresausstoß der Nürnberger Brauerei vergleicht. Aber vor allem für Fans verschiedener Hopfensorten ist der Maibock etwas Besonderes. So nutzt die Hausbrauerei besondere Aromahopfen, die aus fränkischem Bio-Anbau stammen.

Gerade durch den Einsatz neuer Hopfensorten lässt sich das Aroma auch unter Einhaltung des Reinheitsgebotes verändern. So bieten die Hopfensorten „Cascade“ oder „Saphir“ besonders blumige und fruchtige Noten, die stark nach Mandarine schmecken. Hier kommt auch der Einfluss der Craft-Bier-Szene zum Tragen, durch die die vielen Hopfensorten wieder in den Fokus der Brauer gemeinhin gerückt sind.

Reinhard Engel von der Hausbrauerei hopft dazu noch kalt. Das ist bei den Aromahopfensorten schonender, weil so fruchtige Noten besser zur Geltung kommen und die Bitterstoffe weniger stark aus dem Hopfen gelöst werden.

Für viele ist das Bockbier der Inbegriff des bayerischen Bieres und der bayerischen Braukunst, doch dem ist nicht so. Die Norddeutschen haben das Starkbier erfunden! Inzwischen wird Bockbier zumeist in Bayern gebraut, ausgeschenkt und getrunken. Etwa ein Drittel des gesamtdeutschen Starkbierausstoßes kommt heute aus Bayern. Der Name des Bocks ist ein spezieller, denn viele denken zuerst an den Ziegenbock, der namensgebend sein könnte. Doch seine Bezeichnung verdankt das Bier seiner norddeutschen Herkunft. Die ehemalige Hansestadt Einbeck in Niedersachsen ist namensgebend für die Bierspezialität. Als das Starkbier seinen Weg nach Bayern fand, wurde es unter dem Namen Ainpockisch-Bier verkauft. Aus ihm wurde Ainbock, woraus schließlich das uns bekannte Bockbier entstand.

Bockbiere wurden speziell im Herbst für die Winterzeit eingebraut. Durch den technologischen Fortschritt wurde das Brauen von Starkbieren auch im Frühjahr ermöglicht. Eine Folge war unter anderem die Entstehung des Maibocks.

Mönche schätzten das Bockbier während des Fastens

Zusätzlich wurde das Bockbier in den Klöstern geschätzt. Durch den höheren Malzgehalt nahmen die Mönche das Starkbier als Ergänzung zu ihrer eher spärlichen Nahrung in den Speiseplan auf. Vor allem in der Fastenzeit half der Bock so manchem Mönch, nicht gegen die Fastenregeln zu verstoßen.

Bevor die Mönche jedoch das erste Mal ein Bockbier brauen durften, musste die Erlaubnis des Papsts eingeholt werden. Hierfür wurde ein Fass an den Heiligen Stuhl in Rom geschickt. Beim Transport wurde das Bier jedoch sauer und gräulich. Der Papst fand, dass dieses Bier dem Seelenheil der Mönche in Bayern so nicht abträglich wäre und erlaubte ihnen fortan, das Starkbier zu brauen.

Für Fans des Maibock heißt es, schnell sein, bevor der letzte Tropfen vergriffen ist. Jedes Bier hat seine Zeit, so Reinhard Engel von der Hausbrauerei Altstadthof, und die Zeit des Maibock ist eben der Mai. Bei dieser Bierspezialität handelt es sich um ein Saisonbier für Liebhaberinnen und Liebhaber, das nur in geringer Menge produziert wird.


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Rainer Bayer