Welche Tipps helfen zu mehr Klimaschutz im Alltag?
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fein leben

Deep Talk Dienstag: Mit Umwelt-Tipps die Welt retten?

In unserer Kolumne am Deep Talk Dienstag stellen wir uns den großen Fragen des Lebens. Heute fragt sich Anna, wie wir mit Umwelt-Tipps die Klimakrise retten können - oder auch nicht?

Nur noch kurz die Welt retten

Ich freue mich, wenn ich Plastiktüten vermeiden kann. Wenn ich in den Supermarkt gehe, habe ich diese Stoff-, genauer gesagt wahrscheinlich Polyesternetze (also sozusagen langlebigeres Plastik), dabei. Da packe ich meine Pilze und Tomaten unverpackt rein - und fühle mich gut. Jedes Mal wie ein kleiner Jackpot, heute eben kein Plastik gebraucht zu haben. Auch in meinem Bad ist weniger Plastik zu finden, dafür ein Vorratspack Natron. Es macht mir Spaß, Shampoo, Duschgel und Deo selbst zusammen zu brauen. Durch das Panschen mit Wasser und den Zutaten schafft man etwas, stellt Hygieneprodukte mit den eigenen Händen her. Es ist easy, geht schnell und wieder ein Stück Plastik gespart. Yeah! Na gut, also wenn man von der Plastikverpackung der Zutaten wie Sheabutter und Co. absieht. Unverpackt einkaufen, selbstgemachtes Shampoo, Fahrrad fahren: Das sind die Disziplinen in meinem persönlichen Kampf gegen die Klimakrise. Da packt mich der Ehrgeiz. Die Welt retten in 15 Minuten.

Wer lebt, hinterlässt einen Fußabdruck. Das ist Physik. Oder meinetwegen auch nicht, aber ich glaube schon, dass es eine notwendige Konsequenz unseres Daseins ist, etwas zu hinterlassen. Große Gedichte, Kinder und Enkelkinder und eben auch unsere Umwelt und eine (klar - möglichst niedrige) CO2 Bilanz.

Es macht Spaß, sich um Plastiktüten, Bambuszahnbürsten und Shampoo zu kümmern. Aber die Bewältigung der Klimakrise ist kein Individualsport. Diese persönlichen Weltrettungsversuche werden die Klimakrise nicht stoppen. Schade, i know. Es gibt sie nicht, die ersehnten „3 DIY Tipps zum Klimaschutz“. Was nicht heißt, dass es nicht trotzdem auf jede und jeden einzelnen ankommt.

Große Lösungen nur gemeinsam

Systemische Krisen brauchen systemische Lösungen. Es braucht Individuen, die diese Lösungen anstoßen. Und eine Gruppe von Individuen, die diesen Wandel mit tragen. Eine Krise, die wie die Klimakrise in so vielen Ebenen im System verankert ist, kann nicht durch geänderte Verhaltensmuster von Individuen in einzelnen Bereichen ausgehebelt werden. Es sind grundlegendere Fragen, die wir uns stellen müssen. Oder anders gesagt: Es gibt kein nachhaltiges Leben in einer nicht nachhaltigen Welt. Mein selbstgemachtes Shampoo hilft womöglich meinem eigenen Gewissen mehr als dem Kampf gegen die Klimakrise. Okay ja, vielleicht mag die Klimakrise eine individuelle sein - auf der Ebene, wer davon betroffen ist. Denn das sind wir alle – manche später, manche früher. Die Lösungen allerdings müssen über das Persönliche hinausgehen. Dazu müssen wir Rahmen schaffen, die wirklich nachhaltiges Leben für alle auf dieser Welt möglich machen.

Die Disziplinen, in denen ich mich so fleißig übe, sind nicht die Heilsbringer im Umgang mit dem Klima. Der Wunsch, die Welt aus persönlichen Kräften zu bewältigen, kann zu einer Last auf den Schultern werden, uns erdrücken und lähmen. Und: Wenn ich den Fokus auf das Große lenke, ist unser individuelles Verhalten und Konsum nicht alles, was zählt. Ist das frustrierend? Ich finde: Das macht auch Mut. Wir müssen nicht so streng mit uns selbst und den eigenen sportlichen Bemühungen sein. Aber wir sollten uns bemühen, nachdenken und handeln. Die eine Plastiktüte aus dem Supermarkt macht das Kraut nicht fett. Mit dieser Tüte ist noch nicht alles verloren. Und nach dem Transportieren deiner Einkäufe, kannst Du ihr noch einen zweiten Lebenssinn schenken und sie zuhause weiterverwenden.

Die Bewältigung der Klimakrise fängt bei jeder und jedem Einzelnen an. Und kann und muss dadurch zu einem Lauffeuer werden, um wirklich nachhaltig zu sein.


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Anna Sturm