Felix vom Endt hat die Brauerei mit low budget vor vier Jahren gemeinsam mit seiner Frau Susa gegründet.
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Biersurfen mit den Orcas

Kreatives Bier: Das hat sich die Craft-Beer-Brauerei orca Brau auf die Fahnen geschrieben. Seit vier Jahren arbeitet das vierköpfige Team in Nürnbergs Norden an ausgefallenen Biersorten für den fränkischen Gaumen. Ein Besuch, der der Phänomen Craft Beer beleuchtet.

Vor vier Jahren sind sie an den Start gegangen, im vergangenen Jahr hat sich Orca Brau mit Sitz in Nürnberg-Schmalau eine neue Brau-Anlage installiert und das Sortiment erweitert. Alles begann „low budget“, erinnert sich Felix vom Endt, der die Orca mit seiner Frau Susa leitet und inzwischen einen Brauer sowie einen weiteren Mitarbeiter beschäftigt. In Vancouver fanden sie die Liebe zum Indian Pale Ale, einer bitteren Art des Craft Beer. Dieses Craft Beer - also handwerklich hergestelltes Bier aus der Hand einer kleinen, feinen und unabhängigen Brauerei - ist nach wie vor ihr Steckenpferd. Seit zirka drei Jahren, sagt vom Endt, würden die Indian Pale Ale (IPA) auch stärker hierzulande nachgefragt – von Männern, vor allem aber von Frauen, die beim Bier grundsätzlich experimentierfreudiger seien. Gerade in Franken, dem Schlaraffenland für Bierfans mit seiner weltweit größten Brauereidichte.

In Nürnberg-Schmalau, an der Grenze zu Fürth, sind die Orcas inzwichen sesshaft.
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Je nach Machart, nach Stil, kann Craft Beer malzig, nach Kaffee und Schokolade (Porter und Stout), sauer (belgische Biere wie Labic, Gose, etc.) oder bitter (IPA) schmecken. In den USA sind Craft Beer Brauereien welche, die "small, traditional and independent" sind. „Erfunden“ wurde Craft Beer dort in den 1970ern. Eigentlich war es Not, die die neue Brauart entstehen hat lassen. Nach dem Ende der Prohibition hatten drei Braukonzerne den gesamten amerikanischen Biermarkt übernommen und versorgten die USA mit billigem, leichten, schnell und in großen Mengen trinkbarem „crisp lager“. Die waren Miller, Anheuser-Busch oder Coors. Hobby-Brauer starteten irgendwann bald Selbstversuche zur Abwechslung der Geschmacksnerven. 1978 erlaubte Präsident Carter ihnen dann, ihre Erzeugnisse auch zu verkaufen.

Susa vom Endt und ihr Mann Felix hatten die Idee, Bier zu brauen, als sie einige Zeit in Kanada waren.
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Sechs Sorten haben die Macher von der Orca Brau inzwischen fest im Portfolio, am beliebtesten sei das „Wanderlust“. Zusätzlich bringen sie saisonale Biere heraus. Jeden Monat gebe es so zwei bis drei neue, wechselnde Sorten, sagt Susa vom Endt.
Ziemlich neu ist auch das Fränkische Landbier. Und: Es ist wohl gekommen, um zu bleiben. Es habe eine „nussige, getreidige, rustikale, kernige“ Note, beschreibt vom Endt. Es ist abgerundet vollmundig und hat einen Charakter, sagt die Aufgetischt-Testerin. Zum Hintergrund: Die Orcas nehmen dafür historisches Braumalz aus der fränkischen Landgerste, die seit den 1970er Jahren nicht mehr angebaut wurde. Weil aber ein akademisches Pilotprojekt alte Getreide-Sorten wiederbelebt hat, findet es sich im Fränkischen Landbier aus Nürnberg wieder.

Bei Orca gibt es ein feste Sortiment sowie einige Sorten, die sie mal ausprobieren oder die nur saisonal angeboten werden können, weil sie Saison-Zutaten enthalten. 
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„Wir brauen inzwischen zu 100 Prozent damit“, sagt Felix vom Endt. Der Hopfen etwa kommt bereits vom Biohof Friedrich aus Gräfenberg (Kreis Forchheim).

So weit wie möglich arbeiten die Orcas mit Bio-zertifizierten Zutaten. Ist auch der Rest umgestellt, so vom Endt, werde sein Traum vom „klassischen traditionellem Bier für regionale Biertrinker“ wahr. „Wir und die Kunden wissen dann absolut, woher es kommt. Und das macht das Bier zu etwas anderem.“ Dann bliebe noch das nächste Ziel: „Wir wollen unsere eigene Landgerste anbauen“, sagt vom Endt.

Im vergangenen Herbst haben sich die Orcas eine neue Brauanlage aus Berlin geholt. Sie lässt höhere Abfüllmengen zu. 
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Bis vor wenigen Monaten arbeiteten die Orcas mit einer selbst zusammengebauten alten Anlage, die das Brauer-Paar in Berlin aufgetan und nach Nürnberg verpflanzt hatte. In alten Milchtanks gor das Bier und wurde auch bis zur Abfüllung gelagert. Doch schnell stieß die Produktion an ihre Grenze von 300 Hektolitern, der Wunsch nach Wachstum wurde stärker. Dann, wie im Märchen: Ein Privatinvestor – ein Craft-Beer-Liebhaber, der aber sonst nichts mit Bierproduktion zu tun hatte – hatte den Willen, in die Orca Brau zu investieren.

Leidenschaft für Bier: Craft Beer bedeutet, dass Bier noch als Handwerk aufgefasst wird. 
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Heute, sagt Brauer Max, liege das Maximum bei 9000 Flaschen á 0,33 Liter pro Tag. Sie gehen direkt an Restaurants und Bars in Nürnberg und der Region. Auch im Sternrestaurant SoSein in Heroldsberg beispielsweise werden Orca-Produkte angeboten. Natürlich geht das momentan alles nicht, aber die Orcas lassen sich Witziges einfallen: Sie machen nicht nur virtuelle Brauereiführungen, sondern auch einen Weißwurst-Frühschoppen, zu dem sie von Profiköchen feine Schmankerl mit Biernote kreieren lassen, oder veranstalten seit März einmal monatlich das digitale Biertanzen - ohne, dass etwas verschüttet wird, versteht sich. Der neueste Clou ist mit "der rebell" ein Brotbier, das gegen die Lebensmittelverschwendung ankämpft.


Gegen die Lebensmittelverschwendung: Brotbier.


Auch ein Hofverkauf ist aktuell drin: Jeden Freitag von 12 bis 17 Uhr sowie jeden Samstag zwischen 10 und 12 Uhr können Kunden aus dem Sortiment schöpfen. Und noch mehr Spezialitäten aus der Region haben jetzt außerdem einen Verkaufsort in der Brauhalle gefunden: „Ein regionales Genussregal“, nennt es Felix vom Endt. Gut darin, Kooperationen zu schließen, sind die Orcas in jedem Fall.

Das Wanderlust ist einer der Kunden-/Kundinnen-Lieblinge aus der Orca-Produktion. 
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Andrea Munkert